Corona Karneval: Die Höhepunkte der digitalen Session

von | 11. Februar, 2021

Für alle, die den Kölschen Karneval lieben und COVID den Stinkefinger zeigen

Wir befinden uns im Jahre 2021. Ganz Karneval ist von Corona besetzt – ganz Karneval?! Nein! Eine von unbeugsamen Karnevalist:innen bevölkerte Stadt hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Corona Karneval – Masken tragen wir schon lange

Es ist wieder soweit, Karneval steht vor der Tür. Egal ob Fastelovend, Fastnacht oder Mummenschanz, normalerweise regieren jetzt die Jeck:innen und die Muffel verkriechen sich. Doch dieses Mal ist alles anders: Masken tragen wir schon und Karneval ist abgesagt.

Es regt sich Widerstand

In Köln ist das aber so eine Sache mit dem Verbot von Karneval. Als die französische Besatzung 1795 die Fastnacht untersagte, feierte das Bürgertum zuhause weiter. Allein Kriege (und ein Unwetter im Jahre 1868) vermochten die Feierlichkeiten stellenweise zu unterbinden. Darum sträuben sich viele Karnevalist:innen, Corona nachzugeben. Mit vielen durchdachten Aktionen drücken sie dieses Jahr ihre Liebe zum Fastelovend und ihrer Heimatstadt aus.

D’r Zoch kütt trotzdem

Den Anfang machen kreative Köpfe, die eine Bastion des Kölner Karnevals alternativ aufleben lassen – den Rosenmontagszug. YouTube-Benutzer „this is Meyer“ hat hierfür in liebevoller Detailarbeit den Zug mit LEGO nachgebaut.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden


Vorneweg geht „de Schmier“, die Polizei, dicht gefolgt vom Zugleiter mit einem Schild „D’r Zoch kütt“ und dem Motto der Session. Dazu musikalische Untermalung vom Laridah-Marsch der Kölner Funken Blau Weiß von 1870. Den Abschluss bildet stilecht eine kleine Kehrmaschine der AWB.

YouTube-Benutzerin „An Tre“ hat den Zug mit Playmobil nachgebaut und kommentiert ihre Drachen-Prunkwagen und Tanzgruppen so originalgetreu, dass sie Wicky Junggeburth Konkurrenz machen könnte.

Auch die Stadt überrascht ihre Bürger:innen mit Leuchtfiguren, die entlang der Innenstadt normalerweise den Zugweg markieren. Die Straßendekoration gehört seit den 1970er Jahren zum Stadtbild. Das Festkomitee lobte die Aktion:

„Ich finde das ein wunderbares Zeichen der Stadt. Es symbolisiert, dass man den Karneval eben nicht vergisst“.

Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitee Kölner Karneval ggü.Express

Herr PPPräsident, Kamelle!

Das unumstrittene Highlight der Rosenmontags-Hommagen aber bildet ein Miniaturzug des Hänneschen-Theaters. Mit mühevollen Replikas wollen die Puppenspieler:innen den Zug auf die Bühne bringen. Die kleinen Persiflagewagen nehmen große Themen auf. Von Hamsterkäufen bis hin zur Querdenker-Bewegung steht besonders Corona im Mittelpunkt des Spottes. Das Schlusslicht der Parade bildet auch im Hänneschen die „Kehr Force One“ der AWB.

„Mein Team und ich, wir haben bereits seit Sommer an den Motiven für die Persiflagewagen gearbeitet, die eigentlich für den großen Zug gebaut worden werden. Nun haben wir sie deutlich kleiner umgesetzt, aber nicht weniger liebevoll und aufwendig gestaltet.“

Zugleiter Holger Kirsch ggü. der Stadt Köln

50. Jahre Sendung mit der Maus

Zu den absoluten Hinguckern zählt ein Wagen zu Ehren des 50. Jubiläums der Sendung mit der Maus mit der Aufschrift „Nur zesamme sin mer systemelefant“. Das gesamte Ensemble mit 16 Wagen und 177 eigens angefertigten Puppen gibt es am Rosenmontag, den 15. Februar im WDR zu sehen.

Perú meets Colonia

„Ne schöne Fastelovend wünsche mer üch“, schreibt das peruanische Restaurant El Inca und teilt dazu ein aufwändig erstelltes Video auf Facebook, in dem nichts fehlt: Kostüme, Kulisse und sogar Kamelle werden geschmissen. Auch lateinamerikansiche Elemente finden Einzug in die Mini-Session in Zeitraffer und machen den Kulturenmix perfekt. Da läuft der Wirt als Chapulin Colorado, einer heißgeliebten lateinamerikansichen Kultufigur, verkleidet durch sein Restaurant, trinkt Kölsch und zaubert dem Koch ein Karnevalskostüm an. Das Herzblut, das in das Filmchen geflossen ist, zeigt die Leidenschaft der Jeck:innen, von denen viele sich dieses Jahr medial kreativ austoben.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Colonia Digital – Karneval on Demand

On-Demand-Unterhaltung kennen wir sonst nur von den großen Film- und Serienstreaming-Portalen. Wer hätte gedacht, dass es einmal soweit kommt: Dieses Jahr können wir uns unsere eigenen Sitzungen zusammenstellen. Jeckstream verspricht eine Auswahl aus 25 Bands und Redner:innen. Wer ein Ticket erwirbt, kann insgesamt 8 Künstler:innen sowie eine:n Moderator:in auswählen. Auch die Röschen Sitzung der Rosa Funken wird unter dem motto „EUROSAVISION – die Röschen-TV-Show on Demand stattfinden.

Loss mer singe zo Huss und dabei Gutes tun

Aber auch unzählige andere digitale Angebote sind ein kleiner Trost für die Solidarität und Geduld der Jeck:innen im Corona Karneval: So wird es einen jecken Livestream aus der Lanxess-Arena geben. Ab 10:30 Uhr bei nitallein.de sorgen die Stars der kölschen Musikszene die Bühne und sammeln dabei Spenden für all diejenigen der Unterhaltungsbranche, die durch die Pandemie in Not geraten sind.

Darüber hinaus wird auch bei Loss mer singe virtuell mitgesungen, geschunkelt und gewählt und die Oper Köln und der Kölner Männer-Gesangs-Verein „Cäcilia Wolkenburg“ führen ihr Divertissementchen „Corona Colonia“ im Live-Stream auf.

Was wäre Corona Karneval ohne Stunk und Nubbel?

Ebenso wird „die etwas andere Stunksitzung 2021″ als Kabarettklassiker rund um das Ensemble von Brigitte Wanninger im TV an Weiberfastnacht um 22:15 und im Anschluss in der Mediathek ausgestrahlt.

Ja, selbst die Nubbelverbrennung findet virtuell statt. Das bieten die Wirt:innen aus dem Kwartier Latäng am Veilchendienstag um 21:00 Uhr auf ihren Websites und auf Facebook in der Gruppe „Dä Nubbel brennt virtuell“ an und bei der Narrenzunft können Jeck:innen die Session bei einem Zoom-Gottesdienst mit Pastörchen J.P Weber ausklingen lassen.

Zweite Amtszeit für das Dreigestirn

Damit die Jeck:innen auch während der vielleicht alternativsten Session der Geschichte gut repräsentiert werden, hat das Festkomitee eine historische Entscheidung getroffen: Prinz Sven I. (Sven Oleff), Bauer Gereon (Gereon Glasemacher) und Jungfrau Gerdemie (Dr. Björn Braun) vom Traditionskorps der Altstädter Köln 1922 e.V. bekommen als erstes Dreigestirn eine zweite Amtszeit.

„Es geht uns nicht um Feiern um jeden Preis. Ganz im Gegenteil. Wir möchten unsere Dreigestirnszeit unter drei Oberbegriffe stellen: Das ist zum einen Lebensmut, Zuversicht und Achtsamkeit.“

Prinz Sven I. ggü. Köln.de

Damit bedankt sich der Prinz bei der enormen Kreativität und der Solidarität der Kölner:innen. Die Stadt bemüht sich ihrerseits, mit der Plakataktion #baldwiederjeck Mut zu machen und die Vorfreude auf eine Session 2022 zu wecken. Wer die Stadt kennt, braucht sich ohnehin keine Sorgen machen, denn sobald Corona vorbei ist, lebt auch der Straßenkarneval wieder auf. Schließlich ist in Köln irgendwie immer Karneval. Bis dahin wartet ein einfallsreiches Alternativprogramm auf alle Jeckinnen und Jecken im Corona Karneval.

Florian Vitello Karneval

Autor und Mitgründer vom Good News Magazin Florian Vitello ist passionierter Karnevals-Jeck. Seit über 10 Jahren schreibt Florian Vitello an Karneval über Karneval, und Fasnacht und Fasching und Mummenschanz und Co. – dabei berichtet er stets so überregional und objektiv wie möglich. Dieses Jahr hat sich der Autor erlaubt, nur für seine Heimatstadt Köln und alle, die dessen Fastelovend lieben zu schreiben. In diesem Sinne: Alaaf!

Beitragsbilder: © Florian Vitello, Karneval 2019

Für diese Art von Artikel brauchen wir deine Unterstützung mit einem Abo

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE





Unterstütze die Arbeit von Florian Vitello und anderen Autor:innen mit einem GNM+ Abo!

Schon ab 3,50 € pro Monat kannst du unabhängigen und vor allem Positiven Journalismus fördern.
Schließe jetzt ein Probeabo ab und profitiere von exklusiven Vorteilen wie z. B. dem digitalen & gedruckten Jahresrückblick 2021!

GNM+

Florian Vitello

Florian Vitello ist Gründer des Good News Magazins. Davor beriet er Non-Profits rund um die Themen Digitalisierung und Öffentlichkeitsarbeit. Er studierte in Hamburg, Montevideo und Newscastle upon Tyne Anthropologie, Lateinamerika-Studien und Journalismus. In dieser Zeit betreute er Projekte der Internationalen Zusammenarbeit in Europa, Lateinamerika und Asien und war unter anderem für den NDR, kleine NGOs, die BBC und das Goethe-Institut tätig. Heute lebt Florian wieder im Rheinland. Er ist Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins MediaMundo und Autor des Buches "Good News - Warum die Welt nicht unter geht und wie wir lernen, uns gegen die Flut schlechter Nachrichten zu wehren"

Diese Good News könnten dich auch interessieren

Good-Newsletter

Melde dich jetzt kostenlos an und erhalte jedes Wochenende unsere Good News der Woche.

Datenschutz

Bald kommt Post!