BLACK BOX – wie die Pandemie ein Kunstprojekt inspiriert

von | 16. Dezember, 2020

Ein kreativer Prozess unter besonderen Umständen

Anfang des Jahres 2020 öffnete ein Raum in Köln. Die Idee: Stimm- und Körperarbeit durch Improvisation aktivieren, offen für Alle und auf Spendenbasis. Dann kam Corona. Und aus dem physischen Raum wurde ein ganz neues Projekt. Ein Prozess, der Menschen auf fünf Kontinenten zusammenarbeiten ließ und die digitalen Möglichkeiten als Brücke statt als Krücke nutzen konnte: das BLACK BOX Projekt.

Ein Anfang und noch kein Ende

Ein großer Raum, die Wände und der Boden sind weiß. Musik erfüllt den Raum, der Rhythmus geht in den Körper. Die Füße, Beine, Hüfte, Schultern, Kopf, in Bewegung. Eine Reaktion auf Impulse. Am 13. März trafen sich in der Körnerstraße das erste (und einzige) Mal vier Künstler:innen zu einer offenen Tanz-Improvisation mit Picknick und Musik. Einen Tag später wurde klar, die Pandemie ist da. Physisches Zusammentreffen ist nicht mehr möglich. Doch was nun anklingen könnte nach einer ‚2020: das-Jahr-der-Beschränkungen’ -Geschichte, entwickelte sich stattdessen in einen neuen kreativen Prozess.

Kontaktbeschränkungen und neue Fördermöglichkeiten

Neue Herausforderungen bringen neue Ideen! Inspiriert durch die Krisenzeit entwickelte sich das Vorhaben in ein neues Format des digitalen, künstlerischen Wirkens bieten. Der Begriff black box ist ein Bild aus der Psychologie. Dabei geht man davon aus, dass es einen sichtbaren Impuls oder Reiz gibt und eine sichtbare Reaktionen oder ein Verhalten, dazwischen liegt eine black box, quasi das unsichtbare Verarbeitungszentrum des Menschen. Obwohl wir uns als Individuen begreifen und sogar physisch getrennt sind, teilen wir oft Fragen, Gefühle, Sorgen und Ideen. Austausch und kreative Arbeit ist dabei essentiell. Während der Pandemie tauchen in der Landschaft der Kunstförderung neue Möglichkeiten auf Projektanträge zu stellen. Auch diese katapultierte den Prozess zu neuen Ufern des Wirkens und Weiterarbeitens.

Das BLACK BOX Projekt bietet einen virtuellen Raum der gemeinsamen Verarbeitungen und schafft durch den künstlerischen Fokus neue Ansätze und Verbindungen – über physische und mentale Grenzen hinweg.

Tamara Fákémi Sàngóbámké Mosebolatan Ajóké (Tänzerin und Impulsgeberin Natur)

Interkultureller Austausch

Es ist sechs Uhr morgens in Neuseeland und der Wecker klingelt bei Heidi Käfer. Sie steht auf, nimmt sich noch schnell ein Glas Wasser und schaltet den Laptop ein. 20 Menschen schauen sie im Zoom-Videocall erwartungsvoll an. „Welcome everyone!“ Gemeinsam mit Kefa Oiro leitet sie heute die erste Blackbox zum Thema „Zuflucht“. Kefa schaltet sich ebenfalls über Zoom dazu, bei ihm ist es acht Uhr abends in Nairobi, Kenia. Die beiden Impulsgeber haben sich vorab überlegt, wie sie das Thema Zuflucht mit den Teilnehmenden erkunden wollen: Bewegungen, Visualisierungen und eine offene Diskussion am Ende. „Bashki. Das heißt Zusammensein. Ich habe meine Kindheit vor Augen, wir haben bis ich sieben war im Kosovo gelebt und waren alle zusammen, alle Generationen in einem Haus. Ich habe mich verbunden gefühlt, nicht nur mit den Menschen, auch mit der Natur, mit den Tieren. Wenn ich an Zuflucht denke, denke ich an das Zusammenleben und die Verbindung, die ich dort gespürt habe“, erzählt einer der Teilnehmenden.

Der Umgang mit Zoom oder: Musik wird zum Störgeräusch

Professionellen Kunstschaffende arbeiten gemeinsam mit Teilnehmenden aus aller Welt. Es mischen sich Arbeitsweisen und Ideen, intensiver Austausch findet statt – kulturelle Kommunikation at it’s best. Alle zwei Wochen wechselt das Thema und die Impulsgeber:innen. Parallel zu den Zoomkonferenzen, werden auf der Website Impressionen und Fragen gepostet. Der Austausch ist digital, jedoch nicht ohne Einschränkungen. Beim zweiten Zoom geht es um „Natur“: Der Musiker Ramesh Shotham leitet die Trommelsprache GlobalTala an und die Teilnehmenden sprechen ihm begeistert nach. Als er dann zu Trommeln beginnt, erkennt Zoom darin ein Störgeräusch und schaltet den Musiker automatisch auf stumm.

Bei Flavia Garrido, die sich aus Uruguay dazu schaltet, und Joan Chavez läuft zwei Wochen später alles reibungslos. Doch dann versagt die Internetverbindung in Köln für ein paar Minuten. Zeitverzögerungen und starker Regen waren andere Herausforderungen des Projekts. Sind die digitalen Methoden kreativ überhaupt sinnvoll zu nutzen? Sind sie nur Krücke oder können sie wirklich eine Brücke sein für künstlerische Dynamiken? Beim letzten Zoom geht es um das Thema „Kontakt“ und siehe da; es entsteht tatsächlich etwas Neues. Die Breakoutroom-Funktion von Zoom macht eine Kontaktimprovisation möglich. Die große Gruppe wird in Paare geteilt werden kann, die sich eins zu eins gegenüber stehen. Besondere und berührende Momente, Verbindungen dank Kreativität und Digitalität.

Eine Ausstellung in drei Ländern präsentiert am Wochenende die Ergebnisse

Und jetzt? Eigentlich war geplant eine Tanz- und Musikperformance zu gestalten und Menschen zum Besuch einzuladen. Die Ergebnisse zu zeigen und eine Ausstellung zu gestalten. Das Hygienekonzept stand, die Tage waren festgelegt. Doch dann kam der 02. November und es hieß wieder: Improvisieren, umdenken, neu einlassen. Eine Mischung aus Flexibilität, Durchhaltevermögen und intensiver, digitaler Austausch unter den Beteiligten und Projektförder:innen hieß das Geheimrezept.

Das Ende von diesem Lied ist daher eine herzliche, freudige und aufgeregte Einladung zu einem Livestream in drei Ländern. Die Abschlussausstellungen in Köln, Nairobi und Canelones machen den kreativen Prozess der letzten drei Monate erlebbar für ein großes Publikum. Ein Livestream wird die Zuschauer:innen durch die drei Ausstellungsräume. In Nairobi aus dem DIGi Studio gestartet, eine Stunde später ist Köln dran im Wandelwerk und zu guter Letzt Canelones im Kulturzentrum Ibukun in Uruguay. Es gibt live Musik und Bewegung … und mal schauen, welche Überraschungen diesmal warten.

Schaut am 18. und 19. Dezember ab 18 Uhr auf www.blackbox-project.com vorbei, streamt euch in die Performance und gestaltet mit.

Beitragsbild: © Kefa Oiro

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David Gaedt

Durch einige Zufälle habe ich 2016 nach meinem Abitur mit der jetzigen Facebook- und Instagram-Seite des Good News Magazins gestartet und habe dort nur positive Nachrichten verbreitet. Nach einigen Jahren als Hobby habe ich 2020 durch erneute Zufälle grandiose Menschen kennengelernt, mit denen wir die Professionalisierung des Good News Magazins gestartet haben. So sind wir heute über 25 Personen, die gute Nachrichten beim GNM verbreiten! Außerdem konnte ich 2021 erfolgreich mein Bachelorstudium im Sportmanagagement abschließen.

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