Kolumbiens Strände werden sauber

Aus Plastikmüll wird Zukunft

von | 29. März, 2025

An den kolumbianischen Stränden der Bahía Málaga wird nicht nur Plastik gesammelt, sondern auch auf kreative Art und Weise verwertet.

Kolumbiens Küsten gelten als wahre Paradiese – mit weißem Sand, türkisblauem Wasser und tropischem Klima. Doch die Realität sieht oft anders aus: Tonnenweise Plastikmüll, darunter Tüten, Flaschen und Verpackungen aus aller Welt, werden an die Strände gespült. Dieses alarmierende Phänomen steht in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel, insbesondere mit dem steigenden Meeresspiegel. Dadurch verstärkt sich der Humboldtstrom, der entlang der westlichen Küste Südamerikas verläuft und vermehrt Müll in Küstennähe transportiert.

Rund 70 % des angeschwemmten Kunststoffs bestehen aus PET – einem Material, das vor allem in Plastikflaschen verwendet wird und besonders umweltschädlich ist. Doch eine kleine Gemeinde nimmt den Kampf gegen die Verschmutzung auf – unterstützt von Diego Patiño und seinem Team, die mit einem innovativen Konzept nachhaltige Lösungen entwickeln.

Ein durchdachter Prozess

Das Projekt „Plastico Precioso“ (zu deutsch: Wertvolles Plastik) soll Plastikmüll durch ein nachhaltiges Recycling nämlich ein neues Leben verleihen. Damit dies reibungslos geschehen kann, wird das Plastik am Strand zunächst gesichtet und nach der Plastikart sortiert. Die Masse an gesammelten Plastik wird danach von Diego Patiño in einer entsprechenden Maschine gehäckselt und bei 190 Grad geschmolzen. Dank dieser von Spenden finanzierten Maschinerie konnten beispielsweise im Jahr 2024 bereits 1 ½ Tonnen an Plastikmüll verarbeitet werden. Und dies ist nicht gerade als selbstverständlich anzusehen.

Da es an geeigneten Mülldeponien und Recyclingstrukturen mangelte, wurde der Plastikmüll in der Gemeinde bisher größtenteils verbrannt. Doch dank eines neuen Ansatzes erhält das geschmolzene Material nun eine sinnvolle Wiederverwertung. Ein besonders erfreuliches Beispiel zeigt sich in den örtlichen Schulen: Aufgrund des feuchtwarmen Klimas sind hölzerne Schulmöbel anfällig für Verfall. Die aus recyceltem Plastik hergestellten Alternativen hingegen erweisen sich als deutlich langlebiger – sehr zur Freude der Schulkinder.

Ein spielerisches Konzept

Um zukünftige Generationen für nachhaltigen Umgang mit Ressourcen zu sensibilisieren, setzt die Initiative auf ein innovatives Tauschsystem. Die Grundidee: Kinder und Jugendliche können den gesammelten Plastikmüll gegen nützliche Waren eintauschen. So entsprechen beispielsweise 50 Plastikdeckel einem Comic oder Schulmaterial wie Stiften.

Zusätzlich hat das Projektteam eine eigene fiktive Währung eingeführt. Für die Abgabe von etwa 250 Gramm Plastik erhalten die Teilnehmenden eine sogenannte Plastikmünze, die sie später gegen verschiedene Gegenstände einlösen können. Dieses spielerische Belohnungssystem motiviert die Kinder nicht nur aktiv zum Sammeln, sondern entlastet gleichzeitig einkommensschwache Familien. Durch die Möglichkeit, notwendige Alltagsgegenstände durch Recycling zu erhalten, können sie ihr Budget für andere wichtige Lebensbereiche nutzen.

Weltweites Vorbild

Die im Jahr 2019 gegründete Stiftung „Plastico Precioso“ soll laut dem Gründer Sergio Pardo als Vorbild für weitere Gemeinden rund um den Globus gelten. Um diese Ideen mit weiteren Menschen zu teilen, wird unter anderem ein viertägiger Workshop zum erschwinglichen Preis angeboten. Dass dies allein wohl nicht ausreichen wird, wissen aber auch die Initiatoren des Projektes. Insbesondere die Produzenten müssten umdenken und Verbraucher einen bewussteren Konsum vorantreiben.

Foto von chaiyananuwatmongkolchai auf pixabay

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    Luca Kramarz

    Luca ist Redakteur beim Good News Magazin und studiert Jura in Köln. Da er als leidenschaftlicher Bayern-Fan an Erfolge gewöhnt ist, will er nun auch Erfolgsgeschichten abseits des Fußballplatzes teilen und schreibt daher mit derselben Hingabe für unser Good News Magazin.

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