Länderübergreifende Mikroplastik-Messung im Sommer 2026

das ist ein GNM+ ArtikelChance für Mikroplastik-Awareness: Gesamtmessung der Donau

von | 21. Juli, 2026 | Wissenschaft, GNM+

In diesem Sommer soll die Donau über ihren gesamten Lauf auf Mikroplastik untersucht werden. Das Projekt von Wasser 3.0 ist nicht der erste Versuch, Mikroplastik in Europas Gewässern sichtbar zu machen. Aber es zeigt sehr deutlich, woran es beim Kampf gegen die unsichtbaren Kunststoffpartikel noch immer fehlt: vergleichbare Daten, verständliche Kommunikation und konkrete politische Konsequenzen.

Die Donau verbindet Europa wie kaum ein anderer Fluss. Sie entspringt in Deutschland, fließt durch oder entlang der Grenzen von zehn Ländern und mündet nach rund 2.850 Kilometern ins Schwarze Meer. Mehr als 80 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet der Donau. Rund 20 Millionen Menschen beziehen Trinkwasser aus ihr oder aus mit ihr verbundenen Wassersystemen. Das macht die Donau zu einem idealen Ort, um eine wichtige Frage zu stellen: Wie viel Mikroplastik transportiert einer der wichtigsten Flüsse Europas eigentlich?

Genau das will die gemeinnützige Organisation Wasser 3.0 in diesem Sommer mit dem Projekt Donau 2850 genauer untersuchen. Seit 4. Juli 2026 entnimmt ein Forschungsteam entlang des gesamten Flusslaufs Proben – mehr als 250 sollen es am Ende über den ganzen Flusslauf werden, von Donaueschingen bis zum Schwarzen Meer. Öffentlichkeitswirksam begleitet wird die Expedition von dem Extremschwimmer Joseph Heß, der die Donau in ihrem Gesamtlauf durchschwimmen will. 

Das Interessante an dem Projekt ist nicht, dass noch nie jemand Mikroplastik in europäischen Flüssen untersucht hätte. Auch zur Donau gibt es bereits Studien, große europäische Forschungsprojekte und Citizen-Science-Programme mit tausenden Beteiligten. Die eigentliche Stärke des Donauprojekts liegt anderswo: Es macht durch eine hohe Medienwirksamkeit sichtbar, dass Europa beim Thema Mikroplastik zwar viel unternimmt, aber noch immer nicht weiß, wie groß das Problem an welchen Orten wirklich ist.

Kleine Partikel, großes Datenproblem

Mikroplastik bezeichnet Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie entstehen zum Beispiel, wenn größere Plastikabfälle zerfallen, wenn Reifen abgerieben werden, Textilien beim Waschen Fasern verlieren oder Kunststoffgranulate auf dem Weg durch Industrie und Transport in die Umwelt gelangen. Manche Mikroplastikpartikel wurden lange auch absichtlich Produkten zugesetzt, etwa in Kosmetik, Reinigungsmitteln oder bei bestimmten industriellen Anwendungen.

Das Problem: Mikroplastik ist nicht einfach „ein Stoff“. Die Partikel unterscheiden sich in Größe, Form, Material, Dichte und Herkunft. Manche schwimmen an der Oberfläche, andere sinken ab oder lagern sich in Sedimenten ab. Manche werden von Organismen aufgenommen, andere werden weitertransportiert. Wer Mikroplastik messen will, muss also sehr genau definieren, wonach gesucht wird, wo beprobt wird und mit welcher Methode analysiert wird.

Genau deshalb sind Daten oft schwer vergleichbar. Eine Messung an der Wasseroberfläche sagt etwas anderes aus als eine Probe aus dem Sediment. Eine Untersuchung mit größeren Maschenweiten erfasst andere Partikel als eine feinere Analyse. Und ein einzelner Probenpunkt kann kaum abbilden, was sich über einen ganzen Flusslauf hinweg verändert.

Immerhin: Das Problem ist erkannt. In Europa wird seit Jahren daran gearbeitet, Methoden zu vereinheitlichen, Daten besser vergleichbar zu machen und Mikroplastik nicht nur zu beschreiben, sondern politisch und technisch anzugehen. Und auch weltweit schreitet die Zusammenarbeit voran, wie unter anderem Atlantic Plastics 2026 zeigt. Das Symposium findet im Oktober 2026 in Reykjavík statt und bringt Forschende, Politik, NGOs und weitere Akteur:innen zusammen, um Plastikverschmutzung von der Arktis über den Atlantik bis zur Antarktis zu diskutieren. Themen sind unter anderem Monitoring, Transportwege, gesundheitliche Folgen, Kreislaufwirtschaft und die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik. Denn Mikroplastik lässt sich nur sinnvoll bekämpfen, wenn Daten, Methoden und Maßnahmen über Grenzen hinweg zusammengeführt werden.

Verteilung von Mikroplastik in unserer Umwelt.
Verteilung von Mikroplastik in unserer Umwelt. Grafik: Wasser 3.0

Was Europa bereits tut

Die EU steht beim Thema Mikroplastik immerhin nicht am Anfang. Seit Oktober 2023 gilt unter der REACH-Verordnung eine Beschränkung für absichtlich zugesetztes Mikroplastik. Gemeint sind winzige Kunststoffpartikel, die Herstellende bestimmten Produkten bewusst beimischen – etwa Kosmetika, Reinigungsmitteln, Düngern, Sportplatzbelägen oder einigen industriellen Anwendungen. Dort erfüllen sie beispielsweise scheuernde Eigenschaften, sorgen für eine bestimmte Konsistenz oder setzen Wirkstoffe kontrolliert frei. Da sie jedoch häufig direkt in die Umwelt gelangen, sollen sie nun schrittweise ersetzt oder verboten werden. Weil viele Anwendungen technisch nicht sofort umgestellt werden können, gelten je nach Produkt unterschiedliche Übergangsfristen. 

Ein weiterer wichtiger Schritt betrifft Kunst…

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