Vom Grillabend zum mittlerweile 15. Printmagazin

Zehn Jahre Good News Magazin: Die Entstehung und Entwicklung

von | 15. Juni, 2026 | Füreinander

Zehn Jahre Good News Magazin

Was 2016 mit einer spontanen guten Nachricht unter Freunden begann, ist heute Deutschlands größtes Magazin für Positiven Journalismus. Eine Geschichte über Mut, Zufälle, Gemeinschaft – und die Überzeugung, dass gute Nachrichten die Welt verändern können.

Mitte Juni 2016. Ein Grillabend unter Freunden. Nichts deutet darauf hin, dass hier der Grundstein für eines der bekanntesten Medienprojekte für Positiven Journalismus im deutschsprachigen Raum gelegt wird.

David Gaedt, neben Florian Vitello und Lucia Oiro einer unserer drei Gründer:innen, erzählt an diesem Abend beiläufig von einer positiven Nachricht, die ihm begegnet ist. Dahinter steckt (noch) keine große Geschichte, keine strategische Idee. Einfach etwas Erfreuliches zwischen Würstchen, Gesprächen und Sommerstimmung. Die Reaktion eines Freundes auf diese “Good News” bleibt ihm jedoch im Gedächtnis: „Boah, endlich mal was Positives!“ Dieser Satz und die Begeisterung seines Freundes ließen ihn nicht mehr los.

„Ich habe darüber nachgedacht, warum er sich so darüber gefreut hat“, erinnert sich David heute. „Am nächsten Tag habe ich die Good News Magazin-Facebook-Seite gestartet und dort gute Nachrichten veröffentlicht.“ Was als Hobby begann, war zunächst kaum mehr als eine Sammlung inspirierender Meldungen. David kuratierte gute Nachrichten, verlinkte auf bestehende Medienberichte und teilte sie mit einer stetig wachsenden Community. Einen Businessplan gab es nicht. Auch keine ausformulierte Idee für ein Medien-Start-up. Erst einmal ging es schlicht darum, positive Nachrichten sichtbarer zu machen.

Vielleicht half ihm dabei auch eine Erfahrung aus dem Elternhaus. Sein Vater hatte mehrere Start-ups gegründet – und dabei nicht nur erlebt, wie Ideen wachsen können, sondern auch, dass nicht jeder Versuch gelingt und man durchaus auch scheitern kann. „Wahrscheinlich habe ich dadurch früh gelernt, dass es nicht so wichtig ist, perfekt anzufangen“, sagt David. „Sondern überhaupt anzufangen, aus Fehlern zu lernen und dann weiterzumachen.“

Das Team des Good News Magazin hat nachgeschaut: Was bleibt übrig, wenn negative Nachrichten aus Zeitungen geschnitten werden?
Das Team des Good News Magazin hat nachgeschaut: Was bleibt übrig, wenn negative Nachrichten aus Zeitungen geschnitten werden?

Die richtigen Menschen zur richtigen Zeit

Vier Jahre lang wächst das Good News Magazin vor allem über soziale Medien. Die Reichweite steigt, doch dass aus der Facebook-Seite ein journalistisches Magazin wird, dieser entscheidende Wendepunkt kommt Anfang 2020 – ausgerechnet an jenem Wochenende, an dem die Corona-Pandemie Deutschland erreicht.

Bei einem Vernetzungstreffen der Civil Academy begegnet David Gaedt erstmals Florian Vitello. Die Umstände sind chaotisch: Teilnehmende können wegen Corona nicht anreisen, Züge müssen umkehren. Doch gerade diese beiden lernen sich kennen und schätzen – womöglich auch durch den kleineren Kreis an angereisten Menschen. David sucht damals nach journalistischer Kompetenz. Die Reichweite ist bereits vorhanden, doch er weiß, dass Good News mehr werden könnte. Florian bringt genau das mit: journalistische Erfahrung, ein Netzwerk und die Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Der erste gemeinsame Test folgt kurz darauf. „Ich schrieb den ersten Artikel unseres Online-Magazins über Dinge, die in der Pandemie Mut machten. Dieser Artikel wurde hunderttausende Male aufgerufen und schlug zu Zeiten des Lockdowns richtig ein. Das hat uns gezeigt, welches Potenzial Positiver Journalismus haben kann“, erinnert sich Florian.

„Da wussten wir, dass der journalistische Weg der richtige ist“, ergänzt David. Um das Magazin professionell aufzubauen, stößt Autorin, Redakteurin und Performancekünstlerin Lucia Oiro dazu. Gemeinsam bilden die drei Gründer:innen ein Team, das bis heute das Herzstück des Magazins prägt. David beschreibt die Rollenverteilung mit einem Lächeln: „Ich bin eher der pragmatische Zahlenmensch. Florian ist der Journalist, der mit jedem ins Gespräch kommt und wahrscheinlich über drei Ecken sogar an Obama herankommen würde. Und Lucia ist die kreative Seele des Magazins, die viele unserer Stärken in sich vereint.“

Im Unperfekthaus in Essen: Reinhard Wiesemann, Monika Rintelen und die Gründer des Good News Magazins David Gaedt und Florian Vitello
Im Unperfekthaus in Essen: Zu den Menschen, die unseren Weg auf besondere Weise begleiten und unterstützen, zählen auch Reinhard Wiesemann und Monika Rintelen. Hier mit David Gaedt (zweiter von links) und Florian Vitello (ganz links).

Eine Gemeinschaft statt einer Zielgruppe

Parallel zu der Professionalisierung durch das Gründungstrio wächst auch das Team drumherum. Ein wichtiger Meilenstein ist die Zusammenarbeit mit Nicolai Ochsenius und seinem Projekt Light Up News. Als Nicolai im April 2021 dazustößt, bringt er zahlreiche ehrenamtliche Unterstützer:innen aus Redaktion, Layout und Social Media mit ins Good-News-Team.

Aus wenigen Menschen werden erst zehn, dann zwanzig und heute schließlich über dreißig Mitwirkende aus unterschiedlichsten Bereichen. Viele engagieren sich ehrenamtlich, oft neben Studium, Beruf oder Selbstständigkeit. Dass daraus dennoch professionelle Arbeit entsteht, ist für Lucia bis heute eine der größten Leistungen des Projekts: „Wir haben immer geschaut, was wir brauchen und wie wir gemeinsam wachsen können. Vieles ist Schritt für Schritt entstanden.“

Good News: Wie wir lernen, uns gegen die Flut schlechter Nachrichten zu wehren
Good News: Wie wir lernen, uns gegen die Flut schlechter Nachrichten zu wehren

Vom Social-Media-Projekt zum kleinen Medienhaus

Mit den neuen Mitstreiter:innen verändert sich in den letzten Jahren auch die Vision des Projekts: Aus einzelnen Social-Media-Kanälen und einer Website wird Schritt für Schritt ein echtes Medienprojekt. Aus Good News wird das Good News Magazin. Newsletter, Podcast und später das Printmagazin kommen hinzu. Der Traum vom gedruckten Magazin existiert dabei von Anfang an. David widmet dem Thema sogar seine Bachelorarbeit und entwickelt einen Businessplan für die Zukunft des Good News Magazins. 2021 erscheint ein gedruckter Jahresrückblick als Testlauf, bevor 2022 ein weiterer Meilenstein folgt: Florian veröffentlicht mit Unterstützung von David und Lucia das Buch „Good News – Wie wir lernen, uns gegen die Flut schlechter Nachrichten zu wehren“. Dem Team war es wichtig, nicht nur ihre praktische Erfahrung mit positiven Nachrichten wiederzugeben, sondern sich auch vertieft wissenschaftlich mit der Medienwirkung positiver Nachrichten auseinanderzusetzen. „Wir haben in unserer Community sehr deutlich gespürt, wie groß die Sehnsucht nach anderen Nachrichten ist“, sagt Florian. „Gleichzeitig wollten wir besser verstehen, was dauernde Krisenberichterstattung mit Menschen macht – mit ihrer mentalen Gesundheit, ihrem Gefühl von Selbstwirksamkeit und auch mit dem Vertrauen in demokratische Prozesse.” 

Ein Jahr später folgt der nächste große Schritt: Die Redaktion beginnt die Arbeit an einem eigenen gedruckten Magazin. Seit Januar 2023 erscheint das Good News Magazin viermal jährlich als Printausgabe. Gedruckt wird nachhaltig bei dieUmweltDruckerei. Heute erhalten rund 1.500 Menschen jede Ausgabe direkt nach Hause. Für viele Leser:innen ist das Magazin mehr als ein Nachrichtenprodukt. Es ist ein Gegenentwurf zu einer Medienlandschaft, die häufig von Krisen, Konflikten und Negativschlagzeilen geprägt ist. Haptisch blättert man hier durch den aufwendig gestalteten Beweis, dass es viele positive Entwicklungen weltweit zu feiern gibt.

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„Wir merken immer wieder, wie sehr gute Nachrichten Menschen emotional entlasten können“, sagt Lucia. „Viele fühlen sich von klassischen Nachrichten ohnmächtig oder ausgelaugt. Wir wollen zeigen, dass es gleichzeitig unglaublich viele Menschen, Organisationen und Ideen gibt, die die Welt besser machen.“

Mit der wachsenden Reichweite kamen auch neue Stimmen hinzu. Menschen wie Judith Holofernes, Domitila Barros, Ralph Caspers, Moritz Neumeier und viele weitere unterstützten das Projekt, waren im „Weltaufgang“-Podcast zu Gast oder standen dem Printmagazin Rede und Antwort. Für das Team sind solche Momente nicht nur schöne Meilensteine, sondern auch ein Zeichen dafür, dass die Idee von Positivem Journalismus längst über die eigene Community hinaus Resonanz findet.

„Das Good News Magazin ist nie nur aus uns Dreien entstanden“, sagt Lucia. „All die Meilensteine – Reichweite, Preisnominierungen, Netzwerke oder Podcast und Printmagazin – wären ohne die vielen Menschen nicht möglich gewesen, die an die Idee geglaubt haben. Viele haben ehrenamtlich mitgearbeitet, andere Wissen geteilt, Türen geöffnet oder uns einfach unterstützt, als noch nicht klar war, wohin das alles führt.“

Mehr als Reichweite

Heute erreicht das Good News Magazin monatlich Millionen Menschen. 220.000 Menschen folgen dem Magazin auf Instagram, knapp 66.000 auf Facebook. Hinzu kommen sechsstellige monatliche Website-Aufrufe, Newsletter-Abonnent:innen, Podcast-Hörer:innen und rund 2.000 Mitglieder. Doch Reichweite allein ist längst nicht mehr das Ziel. „Gute Nachrichten können etwas im Kopf verändern“, sagt Florian überzeugt. 

Diese Überzeugung prägt bis heute das gesamte Projekt. Das Good News Magazin versteht sich nicht als Plattform für Schönfärberei, Probleme werden nicht ignoriert. Stattdessen stehen Lösungen, Fortschritte und Menschen im Mittelpunkt, die etwas bewegen.

Auch zehn Jahre nach dem ersten Facebook-Post denkt das Gründungsteam weniger über Skalierung als über Wirkung nach. Natürlich soll die Zahl der Leser:innen wachsen. Natürlich braucht das Magazin wirtschaftliche Stabilität. Doch wichtiger ist David etwas anderes:

„Als Kind habe ich immer gesagt, ich möchte später etwas machen, das Menschen und Tieren guttut“, erzählt er. Dann lacht er kurz. „Ich glaube, das habe ich mit dem Good News Magazin geschafft. Wenn sich Buckelwalbestände erholen, wenn neue Therapien Patient:innen Hoffnung geben oder wenn Menschen irgendwo auf der Welt Lösungen für Umweltprobleme finden, sind das keine kleinen Nebengeschichten. Es sind Hinweise darauf, dass Veränderung möglich ist!“

Sein Wunsch für die kommenden zehn Jahre ist deshalb erstaunlich einfach: mehr Menschen erreichen, mehr Hoffnung vermitteln und dazu beitragen, dass weniger Spaltung und mehr Zuversicht entstehen. Oder anders gesagt: Dass möglichst viele Menschen häufiger hören können, was David damals am Grillabend hörte: „Endlich mal was Positives!“

In diesen 10 Jahren haben uns hunderte Menschen geholfen: von Teammitgliedern über Expert:innen bis zu Kooperationspartnern. Unser Dank gilt all den Menschen, die das Good News Magazin zu dem gemacht haben, was es heute ist. 1000 Dank!

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Viktoria Franke
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