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von | 6. Juni, 2026 | Gesundheit, GNM+

Blutplasma für alle: Warum dieser Durchbruch so viel verändern könnte

Ein Forschungsteam aus Greifswald entwickelt universelles Blutplasma – ein Ansatz, der Engpässe lösen und Behandlungen im Notfall deutlich beschleunigen könnte.

In der Notfallmedizin zählt oft jede Minute. Bei schweren Unfällen, inneren Blutungen oder komplizierten Operationen verlieren Patient:innen große Mengen Blut und müssen schnell versorgt werden.

Genau hier zeigt sich ein zentrales Problem: Blutplasma kann nicht beliebig verabreicht werden, sondern muss zur Blutgruppe passen. Ärzt:innen müssen deshalb entweder die Blutgruppe bestimmen oder auf passende Vorräte zurückgreifen. Beides kostet Zeit, die im Ernstfall fehlt.

Zwar gilt Plasma der Blutgruppe AB als universell einsetzbar. Diese Blutgruppe ist jedoch selten und steht nur begrenzt zur Verfügung. Kliniken müssen deshalb unterschiedliche Plasmatypen lagern und ihre Bestände sorgfältig planen.

Ein neuer Ansatz aus Greifswald

Forschende der Universitätsmedizin Greifswald haben ein Verfahren entwickelt, das dieses Problem lösen soll. Ihr Ziel ist es, Blutplasma unabhängig von der Blutgruppe einsetzbar zu machen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Antikörper im Plasma. Sie erkennen fremde Blutgruppen und können bei einer falschen Transfusion schwere Reaktionen auslösen.

Das Forschungsteam entfernt diese Antikörper gezielt. Dazu wird das Plasma mit roten Blutzellen in Kontakt gebracht. Die Antikörper binden sich an diese Zellen und können anschließend herausgefiltert werden.

Am Ende entsteht ein Plasma, das keine relevanten Antikörper mehr enthält und deshalb universell einsetzbar sein soll.

Auswirkungen auf die Versorgung

Sollte sich das Verfahren im Klinikalltag bewähren, hätte das weitreichende Folgen:

Krankenhäuser könnten ihre Lagerhaltung vereinfachen, weil sie weniger unterschiedliche Plasmatypen vorhalten müssten. Das würde Abläufe übersichtlicher machen und die Versorgung stabilisieren.

Auch die Geschwindigkeit in Notfällen könnte sich verbessern. Wenn die Blutgruppe keine Rolle mehr spielt, kann Plasma sofort verabreicht werden. Das ist vor allem in den ersten Minuten nach einem Trauma entscheidend.

Ein weiterer Aspekt ist die Verfügbarkeit. Da das Verfahren nicht auf seltene Blutgruppen angewiesen ist, könnte insgesamt mehr Plasma bereitgestellt werden. Engpässe ließen sich so zumindest verringern.

Von der Forschung in die Praxis

Das Verfahren wurde bereits vom Paul-Ehrlich-Institut zugelassen. Damit ist eine wichtige regulatorische Hürde genommen.

Trotzdem steht die breite Anwendung noch am Anfang. Produktionsprozesse müssen aufgebaut und in bestehende Abläufe integriert werden. Zudem wird sich erst im klinischen Alltag zeigen, wie stabil und wirtschaftlich das Verfahren tatsächlich ist.

Bedeutung über den Einzelfall hinaus

Die Entwicklung aus Greifswald betrifft nicht nur ein spezielles medizinisches Detail. Sie setzt an einem grundlegenden Punkt der Notfallversorgung an.

Wenn Plasma unabhängig von der Blutgruppe eingesetzt werden kann, wird ein komplexes System deutlich vereinfacht. Entscheidungen können schneller getroffen werden und Behandlungen früher beginnen.

Für Patient:innen kann das im Ernstfall entscheidend sein. Für das Gesundheitssystem eröffnet sich die Möglichkeit, Ressourcen effizienter zu nutzen und Versorgungslücken zu verringern.

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