Norwegens Haftsystem mit seinem Fokus auf Vertrauen, Normalität und Resozialisierung gilt in Europa als vorbildhaft und ist besonders gütekräftig. Als Partner unterstützt Norwegen andere europäische Länder bei der Reform ihrer Haftsysteme – wie bei den „Green Prisons“ in Bulgarien.
Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der KräftigeGüteStiftung entstanden.
Natürlich lässt sich Norwegens System nicht eins zu eins auf andere Länder übertragen. Jedes Land steht vor eigenen sozialen und politischen Herausforderungen. Doch insbesondere die im Vergleich äußerst niedrige Rückfallquote von Inhaftierten veranlasst immer mehr europäische Staaten, das klassische Haftsystem, welches Gefängnis einzig als Bestrafung sieht, zu hinterfragen.
Stattdessen wird ein humanerer Strafvollzug angestrebt, wie in Norwegen: Haft ist dort mehr als eine Strafe. Gefängnisse existieren in Norwegen nicht abgegrenzt von der Gesellschaft, sondern kommen ihr möglichst nahe. In Haftanstalten wie Bastøy oder Halden bewegen sich die Gefangenen überwiegend frei. Sie kochen selbst, kümmern sich um ihre Wäsche, gehen arbeiten oder zur Schule und übernehmen Verantwortung. Denn auch wenn die Gefangenen ihre Freiheit verlieren, sollen ihre anderen sozialen Grundrechte so weit wie möglich erhalten bleiben.
Der Erfolg dieses Systems ist messbar. Die Rückfallquote liegt in Norwegen bei unter 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren, in Bastøy sogar bei nur 16 Prozent. In vielen anderen europäischen Staaten liegt sie hingegen zwischen 50 und 70 Prozent. Das möchte EEA- und Norway Grants ändern.
Norway Grants: Menschlichkeit als Exportschlager
Seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeiten Island, Liechtenstein und Norwegen im Rahmen der EEA- und Norway Grants eng mit Partnerländern in der Europäischen Union zusammen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten in Europa zu verringern und den Austausch innerhalb Europas zu stärken. Grundlage dieser Kooperation sind gemeinsame europäische Werte: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenrechte. EEA- und Norway Grants unterstützt derzeit 15 EU-Mitgliedsstaaten, vor allem in Mittel- und Osteuropa.
In Projekten, die von Klimaschutz über Bildung bis hin zu Justizreformen reichen, zeigt sich Norwegens Verständnis von internationaler Gütekraft. Wo Konkurrenz und Vorbehalt vorherrschen könnten, zeigt sich stattdessen Vertrauen, Wissenstransfer und die Förderung von Selbstwirksamkeit.
Wie Europa von Norwegens Haftsystem lernt