Solidarität mit Menschen der LGBTQ+ Gemeinschaft

Protestaktionen: Katholiken für die Segnung homosexueller Partnerschaften

von | 17. Mai, 2021

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken zeigte sich sichtlich enttäuscht über eine ausdrückliche Absage des Vatikans, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Auch andere katholische Verbände und Persönlichkeiten äußerten Unverständnis über die Aussage und Solidarität mit queeren Personen.

Update vom 17.05.2021

Priester in Bayern segnet gleichgeschlechtliche Paare

Es ist der 17. Mai 2021, der internationale Tag gegen Homophobie. Für Gleichheit in Vielfalt. Und es war viel in Bewegung in den letzten Wochen: Mittlerweile ist die Protestaktion gegen das Segnungsverbot viral gegangen, unter dem Hashtag „liebegewinnt“ äußern sich zahlreiche Menschen dazu und bekennen Solidarität. Vor einer Woche dann segnete Pfarrer Wolfgang Roth, gegen den Willen des Papst, gleich mehrere gleichgeschlechtliche Paare. „Mein Anliegen ist, das aus den kirchlichen Hinterhöfen herauszuholen – dahin, wo es hingehört: mitten in das kirchliche Leben“, sagte Rothe zu seiner Entscheidung, mit der er ein starkes Zeichen gesetzt hat. Jetzt wollen weitere katholische Priester überall in Deutschland Segnungsgottesdienste für alle liebenden Paare anbieten – egal welchen Geschlechts. Es ist ein gemeinsamer organisierter Protest.

Nachricht vom 24. März

Zuletzt versöhnliche Töne der katholischen Kirche

In mehreren Bistümern Deutschlands wird seit einigen Jahren bereits über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften diskutiert. Insbesondere Papst Franziskus hatte zuletzt vermehrt Aussagen getroffen, die viele Katholik:innen als Annäherung an die LGBTQ+ Gemeinschaft verstanden. Darunter eine Entschuldigung des Kirchenoberhauptes an Homosexuelle 2016 für die schlechte Behandlung durch seine Institution und ein Interview, in dem er den Schutz gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften forderte.

„Mitleid“ mit „Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen“

Die ausdrückliche Absage der vatikanischen Glaubenskongregation am vergangenen Montag, den 15.03.21, auf die Frage, ob Geistliche gleichgeschlechtliche Partnerschaften segnen dürfen, überraschte deshalb viele Kirchenanhänger:innen. Sie sehen darin eine starke Zäsur des Katechismus, also den Grundlehren der katholischen Glaubenslehre. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Luis Francisco Kardinal Ladaria Ferrer, wählte scharfe Worte gegen Homosexualität:

„Nach der Lehre der Kirche ist den Männern und Frauen mit homosexuellen Tendenzen mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Diese Personen sind wie die anderen Christen gerufen, ein keusches Leben zu führen. Aber die homosexuelle Neigung ist «objektiv ungeordnet», und homosexuelle Praktiken gehören zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen.

Luis Francisco Kardinal Ladaria Ferrer, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation

Zentralkomitee der deutschen Katholiken enttäuscht

Im Kontrast zu den Aussagen der vatikanischen Vertreter, die als deutliche Diskriminierung kritisiert worden waren, entgegnete das Zentralkomitee der deutschen Katholiken mit einer Mahnung zum Fortschritt. Die Kirche sei berufen, alle Menschen zu segnen, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Heutzutage könne die Forderung, die katholischen Moral- und Glaubenslehren im 21. Jahrhundert auf Grundlage von Argumenten weiterzuentwickeln, nicht einfach abgelehnt werden.

„Eine Folge von Störungen des Synodalen Weges“

Eine solche Reaktion sei „eine Folge von Störungen des Synodalen Weges“, sagte Sternberg. Gemeint ist der Gesprächsprozess innerhalb der katholischen Kirche, bei dem es unter anderem um eine Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualmoral geht. Sternberg vertritt einen Zusammenschluss von Vertretern der Diözesanräte, der katholischen Verbände sowie von Institutionen der Laienvertretung, die sich schon 2015 klar für eine vielfältige Segenspraxis ausgesprochen hatte:

„Wir denken dabei insbesondere an Paare, denen eine kirchliche Eheschließung nicht möglich ist, wie zum Beispiel gleichgeschlechtliche Paare, die aber aufgrund ihrer Gottesbeziehung um den Segen Gottes für das Gelingen ihrer Partnerschaft bitten.“

Beschlüsse der ZdK-Vollversammlung April 2015 und November 2019.

Dass die vom ZdK bekundete Solidarität mit der LGBTQ+ Gemeinschaft großen Anklang findet, auch bei vielen anderen Mitgliedern der katholischen Kirche, zeigten zahlreiche positive Stellungnahmen diverser deutscher Gemeinden on- und offline:

  1. Das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare ist laut einem japanischen Gericht verfassungswidrig.
  2. Mehr als 300 Priester:innen wollen weiterhin Homosexuelle in Österreich segnen.
  3. Mehr als 200 Theologieprofessoren und -professorinnen aus Deutschland sprechen sich gegen das Segnungsverbot für Homosexuelle aus.
Auch die St. Michaelkirche in Köln am Brüsselerplatz zeigt sich solidarisch.
Auch die St. Michaelkirche in Köln am Brüsselerplatz zeigt sich solidarisch.


Titelbild: Angela Compagnone / Unsplash
Foto St. Michael: Lucia Lehmann

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Florian Vitello

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