Auf den Spuren des Glücks – der World Happiness Report 2020

von | 18. Januar, 2021

Hintergründe und Einblicke in die Erforschung des erfüllten Lebens

Wie wollen wir im 21. Jahrhundert leben? Menschen suchen nach Erfüllung und fragen nicht selten nach dem Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Auch die Wissenschaft widmet sich längst der Erforschung des Glücks. In Bhutan gibt es als Regierungsphilosophie das Prinzip des Brutto-National-Glücks. Diesem Beispiel folgend erscheint seit 2011 jährlich der World Happiness Report des Sustainable Development Solutions Network, eine Initiative der UNO. Immer an der Spitze des Glücks-Rankings sind die skandinavischen Länder. Doch warum eigentlich und was hat sich sonst 2020 in der Glücksschmiede getan und verändert? Hier kommt ein Überblick über die achte Ausgabe des World Happiness Report – und unser persönliches Fazit dazu.

Wie wird das subjektive Glücksempfinden eigentlich gemessen?

Wie siehst du deine aktuelle Lebenssituation? Der Report nutzt die individuellen Angaben zum Wohlempfinden aus der Gallup Weltumfrage, einem der führenden Markt- und Meinungsforschungsinstitute aus den USA. Dabei wird beispielsweise gefragt, die aktuelle persönliche Situation auf einer 10-Punkte Skala einzuordnen. Die Zehn repräsentiert das bestmögliche Leben und die Eins das schlechteste. Unterschiede in Ländern werden mittels sechs Faktoren erklärt: das Pro-Kopf-Einkommen, die soziale Unterstützung, die gesundheitliche Lebenserwartung, Freiheit, Großzügigkeit und die Abwesenheit von Korruption.

Wo leben 2020 die glücklichsten Menschen? Städte und Länder im Vergleich

Auf den ersten Plätzen, laut den Daten von 2017 bis 2019, sind, wie zu erwarten, die skandinavischen Länder, ebenso die Schweiz (Platz 3) und die Niederlande (Platz 6). Deutschland kommt auf Platz 17 nach Irland und vor den USA. Insgesamt werden 153 Länder gerankt, wobei Simbabwe, Südsudan und Afghanistan die Schlusslichter bilden. Veränderungen hin zum Positiven (im Vergleich zum Zeitraum 2008–2012) fand vor allem im Commonwealth of Independent States (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) und Zentral- und Osteuropa statt. Dabei sind Länder wie Benin, Togo und Ungarn an der Spitze. Negative Entwicklungen gab es vor allem in der Sub-Sahara und Lateinamerika, wie etwa Venezuela, Afghanistan und Lesotho.

Mit Helsinki und Aarhus räumen die skandinavischen Ländern auch bei den Städten die ersten Plätze ab. Kleine Ausnahmen sind die neuseeländische Stadt Wellington (Platz 3), das israelische Tel Aviv (Platz 8) und die Hauptstadt Costa Ricas San José (Platz 11). Die Nachhut besteht aus Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, der Hauptstadt des Jemens Sanaa und Gaza in Palästina.   

„Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt!“

… sagte bereits der Philosoph und Arzt Jochen Schweitzer

Faktoren des Glücks: Ungleichheit und soziale Umstände

Die gute Nachricht: Menschen sorgen sich um das Befinden ihrer Mitmenschen! Denn wenn die Ungleichheit abnimmt, steigt das gesamtgesellschaftliche Glücksempfinden. Vertrauen in die Gesellschaft und die Institutionen verringert ebenfalls Elend. Die individuelle Widerstandsfähigkeit wird gestärkt – Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und Angst auf der nächtlichen Straße werden als weniger schlimm empfunden. Zudem sind starke Bände zu Mitmenschen wie etwa zu Freund:innen, Familie und Kolleg:innen ausschlaggebend für das persönliche Glück.

Das Rezept für zufriedene Gesellschaften? Die nordischen Länder zeigen wie es geht: hochmoderne, partizipative Institutionen, die halten, was sie versprechen und auf ihre Bürger:innen achten. Dies führt wiederum zu einem großen Vertrauen in den Staat und einem Pflichtgefühl, ja sogar zu einem Vergnügen Steuern zu zahlen. Der Einsatz für öffentliche Güter und progressive Sozialpolitik schafft ein Gemeinschaftsgefühl, das Ungleichheit und Misstrauen entgegenwirkt.

Klima und Glück: Grüne Oasen und kritische Blicke auf die Wirtschaft

Dass ein Ausflug ins Grüne und in die Natur durch Stille und saubere Luft unsere Zufriedenheit positiv beeinflusst, ist uns allen längst bekannt. Je näher ein Park oder ein Gewässer am Wohnort ist, desto glücklicher und gesünder sind die Bewohner:innen. Es braucht also dringend innovative Städtekonzepte mit vertikalen (Gemeinschafts-)Gärten, jeder Menge leicht zu erreichenden grünen Oasen und Lebensräumen für andere Lebewesen.

Wie wichtig ist unser jährliches Wirtschaftswachstum? 74% der befragten Personen in der Gallup Weltumfrage gaben an, die globale Erderwärmung als ernsthafte Bedrohung für sich und ihre Familien zu sehen. Mehr als die Hälfte (62 %) würden den Umweltschutz über ökonomisches Wachstum stellen und nur etwa 30 % sind zufrieden mit den Klima-Bemühungen ihrer Länder. Es gibt also massiven Handlungsbedarf vor allem in Sachen Prioritäten setzen.

Dies lässt sich auch bestätigen, wenn wir einen Blick auf die nachhaltige Entwicklung werfen: Die Agenda 2030 mit ihren 17 globalen Zielen (wie etwa keine Armut und Maßnahmen zum Klimaschutz) wurde 2015 von den Vereinten Nationen beschlossen. Sie legt den Grundstein für länderspezifisches, individuelles Handeln in Richtung nachhaltige Entwicklung. Diese und persönliches Wohlbefinden beruhen auf Gegenseitigkeit, vor allem für zukünftige Generationen. Soziales Verhalten ist ausschlaggebend für das individuelle Glück und dieses wiederum für positive, gesellschaftliche, ökonomische und gesundheitliche Effekte.

Was können wir daraus lernen?

Die nordischen Städte und Länder sind wie immer ganz vorne beim World Happiness Report … das ist keine überraschende Neuigkeit mehr. Letztendlich ist und bleibt Glück eine subjektive Empfindung und jeder Versuch es zu messen, wird an seine Grenzen stoßen. Vielleicht ist es auch an der Zeit unser Bestreben nach Vermessung, Vergleich und Entwicklung gänzlich zu hinterfragen. Denn jedes Land, ja, jede Region und jeder Mensch muss seinen eigenen Weg zum Glück finden. Aber was können wir tun?

Vertrauen, Umverteilung und Freundschaften beeinflussen unser Glücksempfinden und das unserer Gesellschaft maßgeblich. Es gilt: aufeinander zugehen, gegenseitiges Verständnis zeigen und sich nah sein trotz der vielen Beschränkungen. Doch wie?

Anpacken, wo es eben geht, anderen helfen und und und. Wir selbst können andere Prioritäten als ökonomisches Wachstum setzen! Indem wir vor Ort, Zuhause und am Arbeitsplatz die Initiative ergreifen: Wie wäre es mit einem Betriebsgarten? Sich mittels einer Initiative oder einem politischen Amt für den lokalen Naturschutz und mehr Grün für Mensch und Tier stark zu machen? Mit anderen zusammen eine Netiquette für den Umgang im Internet in meiner Lieblings-Facebook-Gruppe entwerfen? Eine online Sprachstunde für Geflüchtete in meiner Region anbieten? Ein Do-it-Yourself Workshop für Putzmittel mit der ganzen Familie? Du selbst bist die Quelle deines Glücks und kannst bestimmen, wie du die aktuelle Situation mitgestalten möchtest.

Für noch mehr Infos und die Ergebnisse zum Nachlesen gehe auf worldhappiness.report.

Beitragsbild: Alex Alvarez / Unsplash

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Julia Fritzsche

Für eine wirklich bessere Welt brauchen wir Erfolgstories, positive Beispiele und eine große Portion Hoffnung. Mein Herz brennt für Nachhaltigkeit, daher studiere ich sozial-ökologische Resilienz in Stockholm. Durch meine Beträge beim Good News Magazin hoffe ich zu motivieren, sich für eine positivere Welt einzusetzen!

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