Kaum ein Tier hat in den letzten Wochen so viel für mediale Aufmerksamkeit gesorgt wie der gestrandete Buckelwal an der Ostseeküste. So liebenswert diese Tiere auch sind – das ist bei Weitem noch nicht ihre einzige Stärke.
Die “Schwimmenden Wälder”
Wale haben im Verlauf ihres Lebens einen riesigen Einfluss auf ihren Lebensraum. Von ihrer Nahrungssuche in bis zu 1000 Metern Tiefe tauchen sie zur Ausscheidung immer wieder an die Meeresoberfläche auf. In diesem Zuge geben sie extrem wichtige Nährstoffe in den Ozean ab: Eisen, Phosphor und Stickstoff.
Diese Art Dünger bewirkt, dass Phytoplankton an der eigentlich nährstoffarmen Wasseroberfläche sprießen kann. Phytoplankton sind dabei extrem wichtig für uns. Denn im Prozess der Fotosynthese entziehen diese der Atmosphäre nämlich Kohlenstoffdioxid und sind somit insgesamt verantwortlich für fast die Hälfte unseres Sauerstoffs.
Zur Vorstellung: bereits ein Prozent Phytoplankton-Aktivität hat denselben Effekt wie zwei Milliarden ausgewachsene Bäume. Wale transportieren Nährstoffe jedoch nicht nur von unten nach oben, sondern auch, etwa auf Partnersuche, quer durch den Ozean und düngen dabei nährstoffarme Gebiete.
Wale selbst fungieren dabei als Kohlenstoffspeicher, welcher durch die Nahrungskette vom Plankton in den Wal gelangt. Ein großer Wal speichert im Verlauf seines Lebens um die 33 Tonnen CO2, ein Baum im Vergleich 22 Kilogramm pro Jahr.
Selbst wenn ein Wal stirbt, bleibt seine Funktion als Kohlenstoffspeicher bestehen. Der Körper sinkt gemeinsam mit dem Kohlenstoff an den Meeresboden und verbleibt dort. Kleine Meerestiere und Mikroorganismen nähren davon und zersetzen den Körper mit der Zeit, womit der Kreislauf fortgesetzt wird.
Walschutz bedeutet Klimaschutz
Der Walfang ist zum Großteil verboten ist, gibt es dennoch einige Orte, an denen sie weiterhin gejagt werden. Zusätzlich erfahren die Tiere enormen Stress durch einen sich immer weiter erwärmenden Lebensraum sowie durch Schiffe erzeugten Lärm. Dieser kann unter anderem dazu führen, dass die Tiere ihre Orientierung verlieren und welche Auswirkungen das haben kann, konnten wir alle in den letzten Wochen verfolgen. Durch etwa die ansteigenden Temperaturen im Ozean entwickelt sich die Menge des Phytoplanktons immer weiter zurück. Wale können mithilfe ihrer Ausscheidungen aktiv dagegen wirken. Schützen wir sie, schützen wir also auch das Klima.
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