Es kreucht, fleucht – und blüht

Wie Insekten der Landwirtschaft helfen

von | 3. September, 2022

Zu Insekten hat so manch einer keinen besonders liebevollen Bezug, doch in der Landwirtschaft können sie wahre Wunder wirken.

Manche Insekten schaden der Landwirtschaft und werden als Schädlinge umfassend bekämpft. Das trifft aber noch lange nicht auf alle Arten zu. Viele sind Landwirt:innen und ihren Pflanzen zuträglich. Manche Krabbeltiere schützen die Felder sogar auf eine Weise, wie es Pestizide nie könnten. Die folgenden drei Beispiele zeigen, wie der Mensch von einer Zusammenarbeit mit der Insektenwelt profitieren kann.

Ameisen: Insekten als Pestizidersatz

Manche Ameisenarten können wirksamer sein als Pestizide. Forschungen zeigen, dass sie im Vergleich zu chemischen Mitteln besser darin sind, Schädlinge zu bekämpfen, Schäden an Pflanzen zu reduzieren und so die Erträge zu steigern. Insgesamt 17 Nutzpflanzen aus verschiedenen Ländern wurden auf das Wirken der Insekten hin untersucht. „Im Allgemeinen können Ameisen bei richtiger Bewirtschaftung nützliche Schädlingsbekämpfungsmittel sein und den Ernteertrag im Laufe der Zeit steigern. Einige Ameisenarten haben eine ähnliche oder höhere Wirksamkeit als Pestizide, bei geringeren Kosten“, heißt es in den Forschungsergebnissen.

Eine Ameise auf einem Blatt, Insekten
Klein, aber Oho: Ameisen helfen in der Landwirtschaft, indem sie Schädlinge beseitigen. Bild: Pexels / Egor Kamelev

Die potenziell positive Wirkung von Ameisen war bisher noch nicht bekannt, da mit ihnen unter falscher Handhabung auch eine höhere Schädlingsquote einhergehen kann. Wollläuse, Blattläuse und Fliegen, die zuckerhaltigen Honigtau produzieren, sind in der Gesellschaft von Ameisen oft häufiger anzutreffen, da diese sich von dem Tau ernähren. Eine entsprechende Bewirtschaftung, in der den Ameisen eine alternative Zuckerquelle geboten wird, kann dieses Problem jedoch schnell lösen. 

Laufkäfer: Insekten als Unkrautentferner

Fast alle Laufkäferarten sind für die Landwirtschaft nützlich. Lediglich zwei der 760 mitteleuropäischen Arten sind bisher als Schädlinge aufgetreten. Ähnlich wie Ameisen dienen auch die Käfer der Schädlingsbekämpfung: Sie fressen sowohl Eier und Larven anderer Insekten als auch Schnecken und Blattläuse.

Doch ihre Wirkung ist nicht auf die Schädlingsbekämpfung begrenzt. Auch Unkrautsamen gehören zu ihrer Nahrung. Sie beseitigen unliebsame Pflanzen also schon, bevor sich diese auf den Feldern niederlassen können. Gerade durch dieses breite Beutespektrum sind Laufkäfer eine besonders nachhaltige und langlebige Unterstützung für die Landwirtschaft. Selbst in schädlingsarmen Zeiten können sie auf alternative Nahrungsquellen wie Samen oder Regenwürmer zurückgreifen. So hält sich ihre Population und sie können schon früh wieder eingreifen, wenn sich Schädlinge erneut vermehren wollen.

Bienen: Insekten als Feldwächter

Eine ganz andere Art von Schutz bieten Bienenvölker in afrikanischen Ländern. Dort werden Felder häufig von Elefantenherden, die auf der Suche nach Nahrung umherstreifen, niedergetrampelt und abgefressen. Für die Menschen ist dies eine existenzielle Bedrohung, da sie so oft ihre gesamte Ernte verlieren. Doch auch für die Elefanten war die Situation gefährlich. Aus Mangel an Alternativen griffen die ansässigen Menschen oft zu Gewalt und erschossen die Tiere, um ihre Felder und Dörfer zu schützen. 

Die britische Biologin Lucy King entwickelte eine für alle Beteiligten harmlose Abwehrstrategie, indem sie sich die Schwäche der Dickhäuter zu Nutzen machte: Bienen. Anders als in Comics und Zeichentrickfilmen dargestellt, haben Elefanten nämlich Angst vor den fliegenden Insekten. 

Ein Bienenzaun in Afrika. Insekten helfen der Landwirtschaft.
Der Zaun aus Bienenstöcken wehrt Elefanten ab. Bild: WWF / Nina Dohm

Ihre dünne Haut um Augen und Ohren ist sehr sensibel und Stiche dort sehr schmerzhaft, weshalb sie den Kontakt zu Bienen vermeiden und ihnen ausweichen. Rund um die Felder und Dörfer wurden deshalb sogenannte „Bienenzäune” errichtet. Sie bestehen aus Bienenstöcken, die in einem Abstand von etwa zehn Metern zueinander aufgestellt und mit einem dünnen Draht verbunden werden. Elefanten, die den Zaun passieren wollen, wackeln durch den Draht an den Bienenstöcken, wodurch deren Bewohner aufgescheucht werden. Das schlägt die Elefanten in die Flucht und schützt sowohl sie als auch die Ernte. Plus: Die Produktion von Honig ist zu einer weiteren Einnahmequelle der örtlichen Landwirtschaft geworden.


Beitragsbild: Pixabay / violaludza

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Julia Verstraelen

Ich liebe schon immer Worte und Sprache und studiere deswegen Online-Redaktion in Köln. Egal ob in Filmen, Gedichten oder Videospielen – gute Geschichten begeistern mich einfach. Umso besser natürlich, wenn die Geschichten auch noch eine schöne Message haben. Aus diesem Grund schreibe ich jetzt auch für das Good News Magazin: um die wirklich guten Stories erzählen zu können!

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