Eine Fahrt nach Hause

das ist ein GNM+ ArtikelWenn Fürsorge stärker ist als Formalismus

von | 10. Februar, 2026 | GNM+, Füreinander

Fürsorge statt bloßer Formalismus - ein Polizist an der Wohnungstür einer alten Frau - Bildrechte: www.polizei-beratung.de

In diesem investigativen Format schicken wir unsere Reporter:innen dahin, wo Menschen im Auftrag des Staates gütekräftig und voller Fürsorge agieren könnten. Was tun, wenn Hilfe leicht und effektiv wäre, aber Strafe droht? Die Held:innen unserer Reportagen handeln tagtäglich in einem rechtlichen Graubereich – und zeigen zugleich, wie Menschlichkeit dort wirkt, wo Vorschriften enden. Aus Gründen des Schutzes der Beteiligten bleiben unsere Autor:innen und die genannten Personen daher anonym, die Namen sind verfälscht.

Dieser Artikel erschien auch im Newsletter der KräftigeGüteStiftung.

Eine orientierungslose Seniorin, ein kühler Herbstabend und zwei Polizist:innen, die anders handeln, als die Vorschrift es verlangt. Sie bringen die Frau selbst nach Hause – eine kleine Entscheidung mit großer Wirkung: über Fürsorge, Vertrauen und Güte im Ermessensraum.

Es ist ein kühler Herbstabend im Nordwesten einer mittleren Stadt im Westen Deutschlands. Der Wind treibt Laub über die Gehwege eines Mehrfamilienhausgebiet, die Laternen werfen ein blasses Licht auf parkende Autos. Gegen 22 Uhr ruft eine Anwohnerin die Polizei: Eine alte Frau gehe seit geraumer Zeit suchend über die Straße, ohne Ziel, ohne Jacke, offenbar orientierungslos.

Wenig später hält ein Streifenwagen. Zwei Beamt:innen steigen aus. Im Licht der Scheinwerfer steht eine zierliche Frau, vielleicht Ende achtzig, mit dünnem grauem Haar, das der Wind aufwirbelt. Ihre Hände zittern, als sie sich an eine Gartenmauer lehnt. Mal spricht sie leise, fast flüsternd, dann wieder aufgeregt: „Ich muss nur kurz nach Hause, meine Tochter wartet …“ Doch sie weiß nicht, in welcher Straße sie ist.

Wenn das Zwischenmenschliche unkomplizierter ist

Furkan*, der gerade erst auf Lebenszeit verbeamtet wurde, redet ruhig mit der Frau. Er stellt einfache Fragen, vermeidet es, die vermutlich demenzkranke Frau zu bedrängen. Seine deutlich dienstältere Kollegin Anna* bietet ihr eine Decke aus dem Wagen an. Furkan bespricht sich kurz mit seiner Kollegin. Er weiß, dass nun eigentlich ein Krankentransportwagen (KTW) gerufen werden muss. Seine Kollegin stimmt ihm zu, sagt aber, dass in einem solchen Fall die zwischenmenschliche Geste im Sinne der Fürsorge auch die unkomplizierteste und richtige ist: die Frau nach Hause zu fahren. (* Namen geändert)

„Eigentlich besagt die Vorschrift, dass wir einen Krankentransport rufen müssen – aber sie hätte da draußen gefroren. Und ehrlich gesagt: Wir wussten, dass das so das Richtige war.“

Sie wenden sich der …

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