Während viele über Bildungskrisen sprechen, wächst leise ein anderer Trend: Kinder spielen im Wald – und Studien zeigen mehr Bewegung, mehr Kreativität und messbare Gesundheitseffekte. In Deutschland gibt es inzwischen über 3.000 Waldkindergärten und Finnland investiert Millionen.
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Der alte blecherne Bauwagen stand ein paar Meter vom Waldrand entfernt. Grün und weiß gestrichen, ein bisschen schief, doch jedem Wetter trotzend. Innen roch es nach nasser Erde, Kaffee und Gummistiefeln. Wenn es gewitterte oder stürmte, drängten wir uns dort hinein, hängten Jacken auf, wärmten die Hände an Bechern mit heißem Apfelsaft. Sobald das Unwetter vorbei war, ging es wieder raus. Raus in den Wald, Abenteuer erleben.
Ich war in einem Kindergarten, der regelmäßig Waldtage – manchmal sogar ganze Waldwochen – anbot. Ausgestattet mit Matschhosen und Gummistiefeln bauten wir Tierchen aus Ästen, sammelten Blätter, bestimmten Pflanzen, balancierten über Baumstämme. Es war nicht nur Spielen, es war auch Lernen: Welches Blatt gehört zu welchem Baum? Warum wächst Moos nur auf einer Seite? Welches Tier hinterlässt welche Spuren? Und wie backt man eigentlich den besten Matschkuchen?
Damals gehörten diese regelmäßigen Ausflüge zu meinem Kindergartenalltag dazu. Und schon damals habe ich das Wort dafür gelernt: Waldkindergarten.
Projekt Waldkindergarten: Wo alles begann
In Deutschland gibt es das naturnahe Konzept offiziell seit den frühen 1990er-Jahren. Laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald existieren Waldkindergärten hierzulande seit 1993. Der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten in Deutschland entstand damals in Flensburg. Die ursprüngliche Idee hatte eine Mutter aus Dänemark bereits 1954. Sie verbrachte mit ihren Kindern und denen der Nachbarn regelmäßig Zeit in der Natur und sie stellte dabei fest, dass die naturnahe Umgebung optimal für die Entwicklung der Kinder geeignet ist.
Der Grundgedanke ist einfach: Kinder verbringen einen Großteil ihrer Zeit draußen in der Natur – ganz egal, ob es regnet oder die Sonne scheint. Der Wald wird zum Gruppenraum, Wiesen werden zu Spielflächen, ein Bauwagen oder Unterstand dient als Schutzraum bei extremer Witterung.
Die Annahme dahinter ist, dass Natur- und Waldkindergärten die kindliche Entwicklung in besonderer Weise stärk…
Raus ins Grün: Wie Waldkindergärten boomen