Wie grün ist unser Strom?

Vier Ökostrom-Anbieter im Vergleich – und was man sonst wissen muss

von | 29. Juni, 2022

Der Ausbau erneuerbarer Energien schreitet in Deutschland stetig fort. Welche Chancen bieten sich uns damit und welche Ökostrom-Anbieter gibt es? Wir haben nachgeforscht.

Laut Umweltbundesamt verursacht die Stromerzeugung in Deutschland die meisten Treibhausgasemissionen. Gesenkt werden können diese vor allem durch Strom aus erneuerbaren Energien.

Der Status Quo 

Durch die Nutzung erneuerbarer Energien konnten 2019 Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 203 Millionen Tonnen ⁠CO₂-Äquivalente vermieden werden. Allein 159 Mio. Tonnen davon fallen auf die Erzeugung von Strom ab.

Der Marktanteil von Ökostromtarifen ist stetig steigend und liegt aktuell bei über 40 Prozent. Laut Marktanalyse Ökostrom II gab es allein im Jahr 2017 1.157 Ökostromprodukte und rund 80 Prozent der Stromanbieter führten im genannten Zeitraum mindestens ein Ökostromprodukt im Angebot. Dieses Angebot findet eine stetig wachsende Nachfrage: Eine Verbraucherbefragung aus dem Jahr 2018 machte sichtbar, dass sich jeder vierte Deutsche sich für ein Ökostromprodukt interessiert. 

Welche Anbieter gibt es?

Sucht man im Internet nach Ökostrom-Anbietern, buhlen Vergleichsportale und Anbieter gleichermaßen um Aufmerksamkeit. Da Kund:innen in Deutschland ihren Stromanbieter frei wählen können und Strom überall die gleichen Eigenschaften besitzt, kann man in Berlin eben auch einen Stromanbieter aus Saarbrücken oder aus München wählen.

Physikalisch gesehen fließt der Strom vom nächsten Kraftwerk in die direkte Umgebung. Angenommen, mein nächstes Kraftwerk ist ein Kohlekraftwerk, dann erhalte ich von dort meinen Strom. Habe ich aber einen Ökotarif gewählt, muss mein Ökostromanbieter meine benötigte Strommenge in das Netz einspeisen – also kompensieren. 

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Die Preisrechner der Anbieter und Vergleichsportale zeigen recht gut, was welcher Tarif bei welchem Verbrauch kostet und auch der Wechsel wird einfach gemacht. Nach welchen Kriterien wählt man also seinen Anbieter aus? Das Bundesumweltamt weist darauf hin, dass es wichtig ist, bei der Wahl eines grünen Tarifs auf gelabelte Produkte zurückzugreifen. Das 1998 eingeführte Grüner Strom-Label verlangt zum Beispiel von den Anbietern Investitionen in regenerative Stromerzeugungsanlagen oder dass sich der Stromhändler nicht an Atomkraftwerken beteiligt. Auch die Unternehmensberichte sollte man sich anschauen – auch hier verlangt das Label Transparenz und Nachhaltigkeit. 

Anbieter 1: Naturstrom AG

Einer der größten, mit dem Label ausgezeichneten Anbieter ist die Naturstrom AG mit über 300.000 Kund:innen. Laut eigenen Angaben hat der Anbieter mittlerweile 350 Öko-Kraftwerke errichtet und 5.200 Solar-Home-Systems in Bangladesch finanziert. Außerdem setzt Naturstrom (Affiliate-Link*) auf dezentrale Öko-Kraftwerke. Das heißt, dass es nicht ein großes Kraftwerk gibt, sondern viele kleine regionale. Damit will das Unternehmen die regionale Wirtschaft stärken, Arbeitsplätze schaffen und sichern und eine umweltfreundliche Energieversorgung garantieren. Bei der Errichtung der Solarparks orientiert sich Naturstrom an NABU-Standards – somit spricht der Umweltverband seine Empfehlung auch für diesen Stromanbieter aus. 

Naturstrom-Mitarbeiter auf einem Windrad zur Erzeugung von Ökostrom
Naturstrom-Mitarbeiter auf einem Windrad | Bild: Naturstrom

Anbieter 2: Green Planet Energy

Nach der Liberalisierung des europäischen Strommarkts suchte Greenpeace 1998 einen Energieversorger, der die strengen Ökostrom-Kriterien der Umweltschutzorganisation erfüllt. Als Greenpeace niemanden fand, beschloss die Organisation, die Aufgabe selbst anzugehen. Die heute in Green Planet Energy (Affiliate-Link*) umbenannten Energiegenossenschaft hat mittlerweile 202.000 Strom- und Gaskund:innen. Bislang hat das Unternehmen über 140 Mio. Euro in saubere Kraftwerke investiert und damit 14 Windparks und vier Photovoltaikanlagen errichtet.

Anbieter 3: Die Bürgerwerke

Die Bürgerwerke bieten Strom an, der “ausschließlich aus Solar- und Windenergieanlagen in Bürgerhand und einem deutschen Wasserkraftwerk” gespeist wird. Die Energiegenossenschaften der Bürgerwerke (Affiliate-Link*) betreiben derzeit über 1.400 Erneuerbare-Energien-Anlagen. Der Anbieter ist sowohl mit dem Grüner Strom-Label als auch vom TÜV Nord zertifiziert. 

Anbieter 4: Polarstern

Der Strom von Polarstern (Affiliate-Link*) wird zu 100 Prozent aus deutscher Laufwasserkraft erzeugt – die Kraftwerke sind für ihren Natur- und Tierschutz ausgezeichnet. 20 Euro wird für jede:n Kund:in in Kambodscha und Madagaskar in den Ausbau sauberer Energieversorgung investiert: Bis heute konnte so rund 60.000 Menschen der Zugang zu sauberer Energie ermöglicht werden. In Deutschland investiert der ebenfalls mit dem Grüner Strom-Label zertifizierte Anbieter für jede verbrauchte Kilowattstunde einen Cent in den Erneuerbare-Energien-Ausbau, vor allem in die Photovoltaik.

Fazit: Es gibt so viele Anbieter, dass es immer schwerer wird, den Überblick zu behalten. Die vier gewählten Unternehmen werden jedoch von Umweltorganisationen uneingeschränkt empfohlen.

Ein letzter Hinweis noch, solltet auch ihr euren Strom wechseln wollen: Achtet darauf, dass das Unternehmen seinen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien bezieht. Etliche konventionelle Anbieter bieten mittlerweile zusätzlich Ökostrom an, der  zum Beispiel auch aus alten Wasserkraftanlagen aus dem Ausland eingekauft sein kann. Eine echte Wende gelingt aber nur, wenn die Unternehmen auch in neue Anlagen investieren und den Ausbau weiter vorantreiben – unsere drei Beispiele machen es gut vor.

Beitragsbild: Pixabay / Solarimo

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Viktoria Franke

Unsere Chefredakteurin Viktoria begann noch während des Studiums, als Sportjournalistin durch die Welt zu ziehen. Mittlerweile berät sie kleine Einzelkämpfer und große Unternehmen in ihrer Innen- und Außenkommunikation und organisiert weltweit Pressebereiche bei Sportevents. Good News sind bei all dem Trubel genau so wichtig für ihre mentale Gesundheit wie ein Stück Schokolade.

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