Weniger CO₂, mehr Lebensqualität

Ökologische Stadtkonzepte zeigen, wie Infrastrukturen clever gestaltet werden können

von | 9. September, 2022

Ob Singapur, Schweden oder Deutschland: Auf der ganzen Welt zeigen kreative Konzepte, wie eine nachhaltige Stadtentwicklung funktionieren kann.

2021 lebten weltweit 57 Prozent der Weltbevölkerung, also circa 4,5 Milliarden Menschen, in Städten. Bis 2030 soll der Wert auf 60 Prozent steigen. Um den damit einhergehenden Herausforderungen wie Wohnungsknappheit zu begegnen und dafür zu sorgen, dass das Leben in der Stadt trotz ständigem Wachstum nachhaltig gestaltet wird, gibt es auf der ganzen Welt zahlreiche Ansätze. Diese Konzepte der nachhaltigen Stadtentwicklung  wollen ökonomische, ökologische und soziale Interessen vereinen. Wir stellen drei davon vor. 

Grünes Singapur

Bereits seit Singapurs Unabhängigkeitserklärung 1965 will die Regierung durch eine vielfältige Stadtbegrünung für saubere Luft sorgen, in den nächsten zwei Jahrzehnten soll die Metropole außerdem Zero-Waste Nation werden. Um das zu erreichen, hat Singapur eine innovative Wasserversorungsstrategie auf den Weg gebracht, die die Wiederaufarbeitung von Wasser, Wasserauffang-Systeme für Regenwasser und die Entsalzung von Meerwasser umfasst. Zudem beeindruckt der kleinste Staat Südostasiens mit einem der innovativsten Nahverkehrssysteme der Welt, durch das die Zahl der Autos drastisch verringert werden konnte. 

Auch nachhaltiger Tourismus spielt in der Nachhaltigkeitsstrategie des Reiselandes eine wichtige Rolle: Hotels und andere Veranstaltungsorte sind zur Einhaltung von Öko-Richtlinien verpflichtet und Veranstaltungen finden mit ausgeklügelten Konzepten zur Müllreduktion statt. Außerdem sind die 25 Meter hohen künstlichen Bäume, das Wahrzeichen der Stadt (“Gardens by the Bay”), nicht nur Sonnenschutz, sondern ermöglichen durch das Auffangen des Wassers die Bewässerung der Anlage und durch Photovoltaikpanels deren Stromversorgung.

Stockholmer Mobilitätskonzept

2020 wurde Stockholm von der Europäischen Kommission als „Intelligenteste Stadt der Welt“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung verdankt die schwedische Hauptstadt verschiedenen Projekten in den Bereichen Umwelt, Digitaltechnik und Wohlergehen der Einwohner:innen. Seit 1999 konnten die Kohlendioxidemissionen in der Stadt um 25 Prozent pro Person reduziert werden, bis 2040 will die Stadt CO₂-neutral sein – trotz wachsender Einwohner:innenzahl. Um das zu erreichen, erfolgt etwa eine klimaschonende Sanierung kommunaler Wohnungen, ein innovatives Abfallmanagementsystem nach farblicher Trennung sowie E-​Autos und Fahrräder zur Miete. Außerdem gibt es in Stockholm bald sieben Parkhäuser mit mehr als 1.000 Parkplätzen mit Elektro-​Ladestationen. Stockholm ist Teil des EU-​Projekts GrowSmarter, das europäische Städte intelligenter und nachhaltiger machen soll.

Klimaneutrales Stadtquartier in Bremen

Der Wind der Nordsee macht Bremen zum idealen Standort für Windräder. Und doch stehen an besonders windigen Tagen einige still. Der Grund: Der erzeugte Strom überlastet das Netz, das nur durch Abschaltungen stabil gehalten werden kann. 3750 Gigawattstunden gingen 2019 so verloren, fast 400 Millionen Euro an Entschädigungen waren vom Staat an die Betreiber zu zahlen. Das will das Fachgebiet Resiliente Energiesysteme an der Universität Bremen nun ändern. Daran beteiligt sind 20 Partner:innen von verschiedenen Forschungseinrichtungen, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 24 Millionen Euro gefördert werden. 

Das Quartier, ein 20 Hektar großes Gelände, soll durch Photovoltaikanlagen den eigenen Strom produzieren, überschüssige Energie wird in Batterien zwischengespeichert oder zur Erzeugung von Wasserstoff genutzt. Die Bewohner:innen werden durch Workshops informiert. Koordinator des Projekts, Dr. Thorben Stührmann, ist sich sicher: „All unsere Ergebnisse zeigen: Eine CO₂-freie Energieversorgung ist möglich.“

Beitragsbild: Victor / unsplash

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Nina Kegel

Nina ist stellvertretende Chefredakteurin beim Good News Magazin und vor allem eins: Neugierig. Immer auf der Suche nach Good News beschäftigt sie sich am liebsten mit Themen rund um einen nachhaltigen Wandel – egal ob kreatives Bauprojekt, ökologische Initiative oder innovatives Unternehmenskonzept, sie lässt sich für vieles begeistern. Außerdem studiert sie im Master Medienkultur und Globalisierung.

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