Mit vollem Magen lernt es sich besser

Kostenloses Essen für alle Schüler:innen in Kalifornien

von | 29. Juli, 2021

Kalifornien wird der erste Staat der USA, der zum kommenden Schuljahr alle Schüler:innen mit kostenlosen Mahlzeiten versorgt.

Die Initiative „School Meals for All“, eine Koalition von 200 Organisationen aus den Bereichen der Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, erreichte eine Finanzierung durch einen unerwarteten Überschuss in der Staatskasse. Dieser wird bis Juni 2022 unterstützt von der Biden Regierung. Danach möchte Kalifornien die Finanzierung allein aufbringen können.

Wie üblich für die USA, ist der Schulalltag auch in Kalifornien ab dem Beginn des Kindergartens ein Ganztagsprogramm. Die Verpflegung der Schüler:innen ist darin ein wichtiger Bestandteil.

Bisherige Finanzierung

Entweder bezahlten die Familien die Mahlzeiten ihrer Kinder selbst oder stellten Anträge, für eine kostenlose, beziehungsweise teilfinanzierte Schulverpflegung.

Nach den Bundesvorschriften ist die Verdienstgrenze einer kostenlosen Mahlzeit (für eine vierköpfige Familie) ein monatliches Einkommen von weniger als 2.833 US-Dollar, das entspricht umgerechnet ca. 2.406 Euro. Für eine teilfinanzierte Mahlzeit lag die Verdienstgrenze bei einem monatlichen Einkommen von 3.397 US-Dollar (ca. 2.885 Euro). 

Die Schüler:innen haben aber auch ohne Bezahlung Mahlzeiten in der Schule bekommen. Diese wurde dokumentiert und den Familien im Nachhinein in Rechnung gestellt. Diese Rechnungen bedeuten potentielle Schulden.

In Kalifornien seien ca. 60% der Schüler:innen anspruchsberechtigt. Es zeigte sich jedoch im letzten Jahr, nachdem die Schulen wegen der Covid19-Pandemie schließen mussten und eine kostenlose Verpflegung, auf dem Schulgelände anboten, dass weitaus mehr Familien auf die Mahlzeiten der Schule angewiesen sind.

Die Gründe, keine Finanzierung zu beantragen

Familien stellen aus unterschiedlichen Gründen keine Finanzierungsanträge:

  • die Scham, eine kostenlose oder teilfinanzierte Mahlzeit in Anspruch nehmen zu müssen
  • Unverständnis bei den Formularen der Anträge
  • Angst vor detaillierten Angaben, z.B. wegen des Familieneinkommens, einer möglichen Abschiebung oder einer Beeinträchtigung des Einwanderungsstatus

Die Bedeutung von Mahlzeiten im Schulalltag

Laut des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) ist die Schulmahlzeiten manchmal die einzige vollwertige Mahlzeit für Schüler:innen und damit auch ein wesentlicher Grund, in die Schule zu gehen. Das hat demnach Auswirkungen auf Bereiche, wie Bildung, Chancengleichheit und Gesundheit.

Die Studie der Gerald J. and Dorothy R. Friedman School of Nutrition Science und der Tufts University verglich über den Zeitraum 2003-2018 die Nahrungsquellen und Ernährungsqualität bei Kindern und Erwachsenen, aus verschiedenen soziodemografischen Gruppen, in der USA. Das Ergebnis zeigt, dass sich „die Qualität von Lebensmitteln aus Schulen vor allem nach 2010 [gleichermaßen] deutlich verbessert“ hatte. Im Jahr 2017-2018 sei die Qualität der Lebensmittel in den Schulen unter allen Vergleichsgruppen (Lebensmittelgeschäften, Arbeitsplätzen, Restaurants) die beste gewesen.

In Zukunft

Bisher wird schon in US-Städten, wie New York, Boston und Chicago, kostenloses Essen angeboten. Nach Kalifornien möchte auch Maine, ein nordöstlicher Küstenstaat in der USA, die kostenlose Schulmahlzeiten einführen. In Europa ermöglichen Finnland und Schweden bereits seit Jahrzehnten die kostenlose Verpflegung für Schüler:innen.

Beitragsbild von CDC / Unsplash

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Cara Buchborn

Floskeln, Wortspiele und schlechte Quellenarbeit kommen an unserer Chefredakteurin nicht vorbei. Cara ist die Kritikerin der Kritiker:innen mit ganz viel Empathie und Herz. Im kommenden Frühjahr schließt sie ihr Journalismus Studium ab. Sie fordert Menschen gerne heraus, die Welt, ihr Leben, ihre Einflüsse und ihr Umfeld neu zu betrachten. Journalismus ist für Cara die Möglichkeit, Zusammenhänge darzulegen, Zugang zu Wissen zu ermöglichen und Fakten einzuordnen.

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