James Harrison hasste Nadeln – und dennoch spendete er 60 Jahre lang Blut. Sein Plasma rettete Millionen Neugeborene. Eine Kolumne über stilles Heldentum.
Der Australier spendete über sechs Jahrzehnte lang regelmäßig Blut – und hat damit unzählige Leben gerettet. Auf den ersten Blick war James Harrison ein gewöhnlicher Mann, doch in seinem tiefsten Innersten war er ganz schön außergewöhnlich – im wahrsten Sinne des Wortes.
Ein Versprechen mit 14
James Harrison war 14 Jahre alt, als er nur dank Blutspenden überlebte. Nach einer schweren Lungenoperation erhielt er selbst 13 Blutkonserven – fast sechs Liter. Ohne diese Spenden hätte er vermutlich nie überlebt. Noch im Krankenhaus beschloss er: Sobald er alt genug sei, würde er selbst Blut spenden. Was er nicht wusste: Sein Blut war außergewöhnlich.
Das seltene Plasma
Einige Jahre nach seiner ersten Spende entdeckten Ärzt:innen eine Besonderheit: Sein Blutplasma enthielt eine ungewöhnlich hohe Konzentration von Anti-D-Antikörpern.
Diese Antikörper waren entscheidend im Kampf gegen die sogenannte Rhesus-Inkompatibilität – eine früher häufig tödliche Schwangerschaftskomplikation. Diese Krankheit tritt auf, wenn die Blutgruppen der werdenden Mutter und ihres Babys sich unterscheiden. Die Blutunverträglichkeit führt dazu, dass das Immunsystem der Schwangeren die Blutzellen des Embryos angreift. Laut dem Australischen Roten Kreuz starben daran Tausende von Neugeborenen jährlich, bis zur Herstellung des Medikaments namens Anti-D-Immunglobulin. Es wirkt wie eine Impfung und verhindert, dass das mütterliche Immunsystem das ungeborene Kind abstößt.
Und genau diese Antikörper stammen aus James Harrisons Plasma. 1967 wurde sein Blut erstmals am Royal Prince Alfred Hospital in Sydney eingesetzt. Ein erstes Baby übe…
James Harrison – der Mann, der Leben spendete