Drohnen in der Landwirtschaft

Immer mehr Rehkitze werden vor Mähtod gerettet

von | 6. Juni, 2023

Im Juni ist Mähsaison und Rehkitze sind in Gefahr. Der Bund fördert die Rehkitzrettung mit Drohnen und Wärmebildkameras.

Der Wonnemonat Mai ist vorbei und die Wiesen sprießen. Das bedeutet Mähzeit für die Landwirt:innen in Deutschland, jedoch auch die Geburtszeit kleiner Rehkitze. Nach Angaben der Jagdschule Lüdersburg werden etwa 96 Prozent aller Kitze im Mai und Juni auf die Welt gebracht und das meist inmitten von Wiesen mit hohem Gras. Die Ricken bringen ihre Jungen im dichten Grün zur Welt, damit die geruchslosen Kitzen vor Fressfeinden geschützt sind, wenn die Mutter tagsüber auf Futtersuche ist. Diese Methode ist nur solange ein wirksamer Schutz für die Kleinen, bis die menschlichen Maschinen eingreifen.

Noch vor zwei Jahren führten die Mäharbeiten auf den Wiesen zu zahlreichen Todesfällen der kleinen Kitze – mit schmerzlichen Erfahrungen für Kitz, Ricke und betroffene Landwirt:innen. Die Kitze können vorn den Mähmaschinen nicht fliehen, da sie einen sogenannten “Drückinstinkt” haben, was bedeutet, dass sie bei drohender Gefahr nicht aufstehen, sondern sich noch mehr auf den Boden drücken. In den letzten Jahren stiegen die Rehkitzrettungen jedoch an und neue Technologien schützen mehrere hundert Kitze vor dem sicheren Mähtod.

Drohnen helfen bei Rehkitzrettung.
Drohnen helfen beachtlich bei der Rehkitzsuche im Frühsommer. Bild: pixabay



Drohnen erkennen Kitze im Gras

Drohnen und Wärmebildkameras bieten die Lösung gegen den Tod der gepunkteten Jungen. Die dichten Grasbestände der Wiesen können zeitsparend und gründlich von der Luft aus mit Drohnen nach Wildtieren abgesucht werden. Diese Taktik wird bundesweit immer häufiger eingesetzt, da Begehungen der Wiesen meist nicht ausreichen oder nicht gründlich genug vonstattengehen. Außerdem bleibt nur wenig Zeit, um die jungen Rehe zu schützen, da für die Mäharbeiten vegetations- und witterungsbedingt nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung steht. Die Drohnen können in kürzester Zeit mehrere Hektar Land abfliegen. Der Pressesprecher der Badischen Jäger, Thomas Bippes, betonte gegenüber der Badischen Neueste Nachrichten, dass die Drohnenarbeit die Kitzsuche revolutioniert habe.

Sobald ein Tier von der, an der Drohne angebrachten, Wärmebildkamera entdeckt wird, suchen die ehrenamtlichen Retter:innen die Wiese ab und bringen das Kitz mit Handschuhen und Wäschekorb in Sicherheit. In einer Wildtierbox oder dem Wäschekorb bleiben die Jungtiere geschützt, während die Wiesen mit großen Maschinen geschnitten werden. Nach den Mäharbeiten wird das Kitz wieder freigelassen und kann am Abend unversehrt von der Mutter wieder aufgefunden werden. Bei dieser Art der Rettung ist es besonders wichtig, die Kitze mit dicken Handschuhen und von viel Gras ummantelt aufzuheben. Denn der mögliche Geruch des Menschen am Kitz kann die Ricke davon abhalten, ihr Junges wieder aufzunehmen. 

Rehkitz Gras
Hier wird ein Rehkitz in Sicherheit gebracht. Bild: Rehkitzrettung NRW Hopsten


Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt die Rehkitzrettung auch in diesem Jahr mit einem Förderprogramm in Höhe von zwei Millionen Euro. Jagd- und Wildtierschutzvereine können die Förderung für Drohnen und Wärmebildkameras beantragen, um somit perfekt für die Rehkitzrettung ausgestattet zu sein. Das Förderungsprogramm erwies sich in den letzten Jahren als besonders erfolgreich. Im Jahr 2022 wurden 471 Drohnen beantragt, 2021 waren es 707. Dieses Jahr kann der Antrag noch bis zum 30. Juni gestellt werden. 


Rehkitzrettung in Zahlen

Durch die vermehrte Arbeit mit Drohnen stieg die Zahl der geretteten Rehkitze in Deutschland im letzten Jahr an. Nach Daten des Rettungsnetzwerks “Rehkitzretter.net” wurden seit Mai 2021 schon 528 Rehkitze gerettet. Neben ihnen auch 69 Feldhasen und viele weitere Wildtiere wie Füchse, Igel und bodennahe Brutnester. Das Rehkitzretter-Netzwerk verfügt aber nicht über die genaue Anzahl aller geretteter Kitze in Deutschland, da dort nur verzeichnet wird, was auch im Netzwerk gemeldet wird. Es ist davon auszugehen, dass die wirkliche Anzahl um einiges höher ist.

Allein die Kitzrettung in Nordhessen verzeichnete in diesem Jahr bereits die Rettung von 200 Rehkitzen und das, obwohl die Rettungssaison erst begonnen hat. In Rastatt in Baden-Württemberg wurden 2022 immerhin 296 Rehkitze gerettet. Einem Bericht des SWR zufolge, wurden dieses Jahr an nur einem Tag 37 Kitze in der Umgebung Emmendingen geborgen. Und in Haltern am See (NRW) retteten die Jäger:innen dieses Jahr im Beginn der Mähsaison bereits mehr Rehkitze als im vergangenen Jahr. Alle dieser Rettungen erfolgten mithilfe von Drohnen und ehrenamtlichen Helfer:innen. Diese hohe Anzahl der Kitze ist beachtlich und zeigt deutlich, wie wichtig die Arbeit der Rehkitzrettung in Deutschland ist. 

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Rehkitze, wie dieses, liegen tagsüber im hohen Gras und warten auf ihre Mutter. Bild: pixabay


Ehrenamtliche Sache: Selber Kitze retten

Du willst dieses Jahr selbst auch Rehkitze retten? Dann ist der aktuelle Zeitpunkt genau richtig. Zahlreiche Organisationen, Wildtierschutz- und Jägervereine suchen Ehrenamtliche, denen das Tierwohl am Herzen liegt und die im Juni helfen, Tiere von den Wiesen zu holen. Eine Voraussetzung, welche für die Rettung wichtig ist, ist das frühe Aufstehen. Die Suche nach eingerollten Kitzen im hohen Gras beginnt, wenn die Sonne noch sehr tief steht und der Tau noch auf den Grashalmen liegt, denn die Mahd muss früh erfolgen. Der Schichtbeginn zwischen vier und fünf Uhr morgens ist also nicht untypisch.

Wer Interesse hat zu helfen (Als Kitzretter:in oder Drohnenflieger:in), kann sich bei der Kitzrettungs-Hilfe und dem Rehkitzretter-Netzwerk melden und registrieren. Außerdem lohnt es sich bei lokalen Jägervereinen und Zeitungen auf Websites und Anzeigen zu schauen. Wie immer gilt: je mehr Hilfe, umso besser. Die Arbeit der Freiwilligen etabliert sich zunehmend und wird gerne von den Landwirt:innen in Anspruch genommen. Sei ein Teil davon!

Beitragsbild: pixabay

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Mara Betjemann

Mara Betjemann ist Redakteurin bei Good News Magazin und freie Autorin. Sie ist der Meinung, dass Medien maßgeblich das Denken vieler Menschen beeinflussen und genau deswegen positiver Journalismus noch viel mehr etabliert werden sollte. Neben dem Schreiben für Good News Magazin, arbeitet sie für Radio und Fernsehen.

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