Die Vision einer Welt ohne Einwegplastik

Ein Segelboot als Zeichen gegen Plastikverschmutzung

von | 11. März, 2022

Das Projekt Flipflopi aus Kenia setzt sich mit einem Segelboot aus Plastikmüll gegen die Umweltverschmutzung durch Einwegplastik ein.

Sie sind gerade von einer zweiwöchigen Expedition zurückgekehrt: Das Team des Flipflopi-Projekts aus Kenia. Ihr Gefährt: Ein Segelboot, das von 30.000 Flipflops gekleidet wird. Ihre Mission: Das Ausmaß der unentdeckten Plastikverschmutzung im indischen Ozean an der Nordküste Kenias, genauer gesagt im Lamu-Archipel, zu kartieren. Dort werden an Stränden jährlich 35 bis 40 Tonnen Plastikmüll gesammelt. 

Es war die dritte Expedition der “Flipflopi Ndogo” (ndogo bedeutet “klein” auf Suhaeli), dem ersten Dhau-Segelboot weltweit, das zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik besteht. Ein “Dhau” ist ein Segelschiffstyp, der vor allem in der Region des Indischen Ozeans und Roten Meeres vorzufinden ist und von den Suaheli als Handelsschiff genutzt wurde. Es gibt viele Dhau-Stile, die mit der Suaheli-Kultur und -Handwerkskunst in Verbindung gebracht werden können.

Das Modell eines traditionellen “Dhau”-Segelbootes. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Die Flipflopi Ndogo ist das Aushängeschild von Flipflopi, einer Bewegung, die Aufmerksamkeit für die Verschmutzung der Umwelt durch Plastikmüll schafft und Menschen vor Ort vermitteln will, wie sie Plastikmüll recyceln und wiederverwenden können.

Lokale Aufmerksamkeit für globale Veränderungen

Die Verbraucher:innen in Ostafrika und der Region des indischen Ozeans sind häufig noch nicht oder nicht gut über die Folgen durch die Plastikverschmutzung der Umwelt aufgeklärt. Die Flipflopi-Bewegung möchten mit Bildungsprogrammen, durch die Zusammenarbeit mit Künstler:innen, Influencer:innen und Aktivist:innen und mit Innovation-Hubs vor Ort auf das Problem der Plastikverschmutzung aufmerksam machen und Lösungen dafür finden.

Mit der Flipflopi Ndogo waren Aktivist:innen, Wissenschaftler:innen und Freiwillige aus der ganzen Welt dafür bereits auf zwei Expeditionen unterwegs und haben unter anderem Recyclingunternehmen, Schulen und Gemeinden in mehreren Ländern besucht. Sie haben die Menschen vor Ort für das Recycling und Wiederverwenden von Müll sensibilisiert und dazu ermutigt, insgesamt weniger Einwegplastik zu verwenden. 

Ein Plastikzerkleinerer, der mit einem Fahrrad angetrieben wird. Foto: Umber Studios / Flipflopi

„Beim Flipflopi-Projekt ging es schon immer darum, Veränderungen auf positive Weise zu fördern, die Menschen zuerst zum Lächeln zu bringen und dann die sehr einfache Botschaft zu verbreiten, dass Einwegkunststoffe wirklich keinen Sinn machen.“

Ben Morison, Projektgründer
Das Ecofestival in Lamu 2022. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Flipflopi stellt interaktive Präsentationen, Unterrichtspläne und -materialien zum Thema „Innovative Ideen zur Reduzierung des Verbrauchs von Einwegkunststoffen“ zur Verfügung und spricht mit Schulklassen vor Ort. Die Bewegung hält Reden, beispielsweise auf der TEDx-Bühne oder auf internationalen Konferenzen wie der Re:publika in Berlin, organisiert in Partnerschaften mit Gemeinden und Schulen Aufräumarbeiten und veranstaltet Recyclingworkshops in Ortschaften. Sie hat ein Öko-Bildungszentrum für Jugendliche in Mwanza und ein kommunales Recyclingzentrum in Kisumu eröffnet und tut noch vieles mehr. Mit den Aktionen hat Flipflopi bereits ein Publikum von weltweit über 850 Millionen Menschen sowie zehntausende Schulkinder und etliche Gemeinden vor Ort erreicht. 

Reden von Flipflopi auf dem Ecofestival in Lamu 2022. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Die Entstehung von Flipflopi

Das Projekt entstand durch die Initiative von Ben Morison, den die Verschmutzung der Strände Afrikas durch Plastikmüll, unter anderem durch Flipflops, sehr frustrierte. Morison wuchs im Sudan und in Kenia auf, arbeitet schon sein Leben lang in der Reisebranche und gründete vor einigen Jahren ein eigenes Reiseunternehmen, das auf (nachhaltige) Reisen in Afrika, Indien und im arabischen Raum spezialisiert ist. 

Morison wollte Möglichkeiten für die Wiederverwendung von Einwegplastik finden und hatte die Idee, ein Boot aus Plastikmüll zu bauen. Dafür tat er sich mit dem Bootsbauer Ali Skanda, Mitgründer von Flipflopi, aus dem Landkreis Lamu in Kenia zusammen. Dieser hat an der kenianischen Küste den Ruf als meisterhaften Dhau-Bauer und -Schnitzer.

Ein Dhau. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Skanda nahm die Herausforderung an, die Mangrovenholzbretter, die er normalerweise bei seiner Arbeit verwendet, durch Kunststoff zu ersetzen und begann im Jahr 2017, gemeinsam mit einem Team, mit dem Bau der „Flipflopi Ndogo“. Das Team hat dafür an der Küste Kenias zehn Tonnen Plastikmüll gesammelt, eingeschmolzen, neu geformt, geschnitzt und ein Segel aus 1.500 Plastikflaschen hergestellt. Im September 2018 wurde das Boot von Kenias Minister für Tourismus und Natur eingeweiht

Zwei Frauen sortieren Plastikmüll. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Große Pläne

Im Jahr 2021 hat die Flipflopi-Bewegung mit dem Bau eines neuen Bootes begonnen. Die “Flipflopi Kubwa” (“kubwa” bedeutet “groß” auf Suaheli) soll wieder zu 100 Prozent aus Plastikmüll bestehen, der an der kenianischen Küste gesammelt wird, und in 285.00 Flipflops gekleidet werden. Sie soll 23 Meter lang und 60 Tonnen schwer werden und in den kommenden Jahren um die Welt segeln können, um Menschen zu erreichen, die bisher nur wenig oder gar nicht mit dem Problem der Umweltverschmutzung durch Einwegplastik konfrontiert wurden. 

Günstige Winde

Die Flipflopi Ndogo auf See. Foto: Umber Studios / Flipflopi

Bei der Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA) in Nairobi wurde zuletzt festgelegt, dass es ein internationales, rechtlich verbindliches Abkommen gegen Plastikverschmutzung geben soll. Dieses Abkommen soll gesetzliche Vorgaben für die Produktion, das Design, die Herstellung und die Entsorgung, also den vollständigen Lebenszyklus von Plastik, umfassen und spätestens im Jahr 2024 in Kraft treten. Ein Entschluss, den auch das Team von Flipflopi in seiner Arbeit bestärkt.

Beitragsbild: Umber Studios / Flipflopi

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Pia Bergmann

Pia ist Praktikantin beim Good News Magazin. Sie hat bereits in ihrer Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien darüber nachgedacht, dass es im Fernsehen eine Nachrichtensendung mit ausschließlich positiven, hoffnungsstiftenden Nachrichten geben müsste. Inzwischen studiert sie Online-Redaktion in Köln und freut sich sehr darüber, dass sie für das Good News Magazin schreiben darf. Mit den Good News und auch sonst versucht sie, ihre Mitmenschen jeden Tag zum Lächeln zu bringen.

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