thinking like grapes

Verpackungen aus Braunalgen statt Einwegplastik

von | 3. September, 2021

Ein Londoner Start-up entwickelte eine essbare Membran, um Einwegplastik vom Verpackungsmarkt zu verdrängen.

Das Unternehmen Skipping Rocks Lab sagt von sich selbst, sie würden „fortschrittliche Verpackungslösungen schaffen, die natürlich verschwinden.“ Eine dieser Verpackungen nennen sie „Ooho“, ein Beutel aus einer gelartigen Membran. Diese Membran nennt Skipping Rocks Lab „Notpla“, sie besteht aus einem Gemisch von organischen Zusätzen, Hauptanteil sei die Braunalge.

„It’s one of the resources that is the most abundant, one of the seaweeds we use grows up to 1 meter per day. Can you imagine something growing that fast? You don’t need fertilizer, you don’t need to put water on it, and it’s a resource that we have been using for a long time.“

Rodrigo Garcia

2013 ging das erstes Produktvideo von Ooho viral und machte den vermeintlich größten europäischen Investor, EIT Climate-KIC, für Klimainnovationen auf Rodrigo Garcia Gonzalez und Pierre Paslier aufmerksam.

Die Relevanz der Verpackungsalternativen

In der EU wurden 2018 für Essen und Getränke mehr als 1,13 Billionen Verpackungen verwendet.
Die kurze Verwendungsdauer von Verpackungsmaterialien steht in einem erheblichen Kontrast zu dessen Produktionsprozess, ganz zu schweigen von dem Zeitraum des Abbaus. Dieser ist im Fall des Einwegplastiks nicht einmal möglich.

Plastik ist nicht organisch, also nicht zu einem Abbau fähig. Plastik wird lediglich durch stetige Reibung (z. B. von Wind, Wasser, Steinen) zerkleinert. „Das bedeutet, dass Mikroplastikpartikel zwar kontinuierlich kleiner, aber nicht vollständig abgebaut werden [können].“

Auch Bioplastik ist nicht biologisch abbaubar. Der WWF beschreibt es, wie folgt: „Als Biokunststoff werden also auch Materialien bezeichnet, die zwar organisch hergestellt werden, aber nicht biologisch abbaubar sind. Ebenfalls als Biokunststoff gelten Materialien, die zwar biologisch abbaubar sind, aber aus Erdöl bestehen.“

Und Deutschlands Gedanke fortschrittlich zu recyceln, z. B. mit dem Pfandsystem für PET-Flaschen deckt sich nicht gerade mit den Daten von 2017. Von 5,2 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen wurden gerade mal 810.000 Tonnen wiederverwertet, veröffentlichten die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam mit BUND im Plastikatlas 2019. Das entspricht 15,6 Prozent.

Zukunftsaussichten für Notpla

Die Verpackung Ooho ist als Beutel für Flüssigkeiten wie Wasser, Cocktails und Soßen geeignet. Ooho ist essbar, aber auch für den Kompost geeignet. Die organische Zersetzung soll ca. 4-6 Wochen dauern. Gerade für Fertiggerichte, dem Liefergeschäft von Restaurants, Salattheken oder Events sei Ooho eine Alternative. Laut eigenen Angaben ist der Ooho geschmacksneutral und auch zum Einfrieren verwendbar.

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Auf Events und Laufveranstaltungen ist Oooho für eigene Werbezwecke ausgegeben worden. Für die Etablierung in den Lebensmittelhandel sieht es bisher noch schwierig aus, da der direkte Berührungskontakt mit der essbaren Membran ein Hygieneproblem darstellt. Dem möchte Skipping Rocks Lab entgegenwirken, indem sie einerseits weiter forschen und andererseits Maschinen an Unternehmen vermieten, die für die Herstellung von Ooho Beuteln entwickelt wurden.

Im Sortiment gibt es noch ein weiteres Produkt, ein einfacher (nicht essbarer) Einwegbehälter, der kompostierbar sei. In Großbritannien kooperiert Skipping Rocks Lab zum Beispiel schon mit dem Lieferdienst Just Eat. Derzeit arbeitet das Team an Folie und Beuteln für den Handelsmarkt.

„It’s all about impact. We started this because we wanted to be part of a solution to this plastic crisis. That’s what drives all this team so that’s a really exciting problem to work on.“

Pierre Paslier

Beitragsbild: © Notpla

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Cara Buchborn

Floskeln, Wortspiele und schlechte Quellenarbeit kommen an unserer Chefredakteurin nicht vorbei. Cara ist die Kritikerin der Kritiker:innen mit ganz viel Empathie und Herz. Im kommenden Frühjahr schließt sie ihr Journalismus Studium ab. Sie fordert Menschen gerne heraus, die Welt, ihr Leben, ihre Einflüsse und ihr Umfeld neu zu betrachten. Journalismus ist für Cara die Möglichkeit, Zusammenhänge darzulegen, Zugang zu Wissen zu ermöglichen und Fakten einzuordnen.

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