In besten Händen

discovering hands nutzt den Tastsinn blinder Frauen zur Brustkrebsvorsorge

von | 4. September, 2021

Ihr hochsensibler Tastsinn kann kleinste Veränderungen im Gewebe wahrnehmen: Bei der sogenannten Taktilographie nutzen blinde Frauen diese Fähigkeit, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Er ist jedoch meist heilbar, wenn man ihn früh genug erkennt. Früh heißt: bevor er streut und Beschwerden verursacht – dann wird er lebensbedrohlich. Aus diesem Grund sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig und Tastuntersuchungen der Brust sollten immer Teil des Frauenarztbesuches sein.

Um die Diagnosemöglichkeiten von Brustkrebs zu erweitern hat das Sozialunternehmen discovering hands ein neues Untersuchungsverfahren entwickelt, genannt Taktilographie. Die Besonderheit: blinde oder stark sehbehinderte Frauen führen dieses Verfahren durch. Ihr besonders ausgeprägter Tastsinn ermöglicht es ihnen, selbst kleine Knoten im Gewebe zu erkennen.

Was genau ist eine Taktilographie?

Die Taktilographie ergänzt die bildgebenden Verfahren, wie Sono- und Mammographie, durch eine sanfte und strahlungsfreie, aber trotzdem sehr ausführliche Tastuntersuchung. Sie wurde bisher weit über 100.000 Mal durchgeführt und ihre Wirksamkeit ist in einer wissenschaftlichen Studie bestätigt.

haptische Orientierungsstreifen werden auf die Brust aufgeklebt
© discovering hands

Bei der taktilen Untersuchung werden Brustgewebe sowie Lymphbahnen und -knoten an Hals, Brustbein und Achseln gründlich abgetastet. Selbstklebende haptische Orientierungsstreifen dienen den Untersucherinnen dabei als Koordinatensystem. Je nach Brustgröße dauert eine solche Untersuchung zwischen 30 und 60 Minuten, inklusive Anamnese. Die schlussendliche Diagnose stellen aber weiterhin Ärzt:innen, weshalb discovering hands mit zahlreichen Praxen und Brustzentren kooperiert. Bei diesen kann jede Person die Untersuchung in Anspruch nehmen, auch ohne dort vorher Patient:in gewesen zu sein. Bereits 29 gesetzliche und alle privaten Krankenkassen übernehmen die Untersuchungskosten von etwa 50 Euro.

“Behinderung wird zur Berufung”

Derzeit arbeiten deutschlandweit über 50 Frauen als Medizinisch-Taktile Untersucherinnen (MTU). Die spezielle Ausbildung für blinde und stark sehbehinderte Frauen dauert neun bis zehn Monate und beinhaltet die Schulung der Tastfähigkeit, vermittelt medizinisches Wissen, soziale Fertigkeiten im Kontakt mit Patient:innen, Anamneseverfahren und Weiteres.
Als spezialisierte MTU können die Frauen Brustkrebs effektiver ertasten als Ärzt:innen. Sie erfühlen etwa 30% mehr und 50% kleinere Gewebeveränderungen.
Nach bestandener Abschlussprüfung erhält jede MTU eine unbefristete Festanstellung.

lernen, selbst Hand anzulegen

Neben der Taktilographie bietet discovering hands auch die Möglichkeit, sich von einer MTU in der taktilen Selbstuntersuchung schulen zu lassen. So werden Frauen befähigt, sich selbst abzutasten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Die Anleitung erfolgt in Einzelgesprächen und ist auch online möglich.

Eine Untersucherin zeit der Patientin, wie sie sich selbst abtasten kann
© discovering hands

Weitere Informationen zur Ausbildung und zum Verfahren findest du hier. Des Weiteren können Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen das Unternehmen durch Spenden unterstützen. So können mit finanzierten Stipendien noch mehr Frauen ausgebildet werden.

Beitragsbild © discovering hands

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Julia Verstraelen

Ich liebe schon immer Worte und Sprache und studiere deswegen Online-Redaktion in Köln. Egal ob in Filmen, Gedichten oder Videospielen – gute Geschichten begeistern mich einfach. Umso besser natürlich, wenn die Geschichten auch noch eine schöne Message haben. Aus diesem Grund schreibe ich jetzt auch für das Good News Magazin: um die wirklich guten Stories erzählen zu können!

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