Verlage setzen Zeichen für Toleranz

Die Entwicklung der Comicwelten

von | 9. November, 2021

Superheld:innen sind so divers wie nie zuvor. Superman’s bisexueller Sohn und viele weitere Beispiele zeigen diese Entwicklung.

Lange Zeit waren Superhelden größtenteils weiße, hetero-normative Männer. Frauen, BIPoC oder queere Personen kamen entweder gar nicht vor oder wurden als Sidekick oder Liebelei des Protagonisten am Rande der Geschichte untergebracht. Dieses Narrativ ändert sich nun zunehmend. Comicbuchverlage und Filmproduktionsfirmen versuchen immer mehr Diversität in die Geschichten und die Besetzungen zu bringen. Wir wollen euch sechs Held:innen zeigen, die mächtige Alternativen zum klassischen Superhelden darstellen.

Superman Junior: Jon Kent  

Der Sohn von Lois Lane und Clark Kent tritt in der Comicreihe Superman: Son of Kal-El in die Fußstapfen seines Vaters. Dies bezieht sich aber nicht nur auf die Superkräfte, sondern auch auf die Umstände seiner ersten Liebe. Denn wie schon Superman, der sich in die Journalistin Lois Lane verliebte, verliebt sich auch Jon Kent in einen Reporter: Jay Nakamura. Mit dieser Beziehung outet der Verlag DC den jungen Helden offiziell als bisexuell und setzt ein deutliches Zeichen für Toleranz und Diversität.

Jon Kent und Jay Nakamura, Superheld:innen
© DC

Das entsprechende Heft der Reihe erscheint heute, am 09.11.2021. Schon vor Veröffentlichung war die Anfrage dafür enorm hoch, weshalb DC die gesamte Reihe noch einmal nachdrucken lässt.

Gleichzeitig verkündet der Verlag außerdem eine Änderung des Superman-Slogans. Bisher lautete dieser „For truth, justice and the american way“ (Für Wahrheit, Gerechtigkeit und den amerikanischen Lebensstil). Diese Worte erscheinen dem Verlag nun nicht mehr zeitgemäß. Zukünftig werden Jon Kent und alle anderen Superman-Charaktere sich „For truth, justice and a better tomorrow“ einsetzen – für Wahrheit, Gerechtigkeit und ein besseres Morgen.

„Ich habe immer gesagt, dass jede:r Held:innen braucht und, dass jede:r es verdient, sich in einem Helden oder einer Heldin wiederzuerkennen […]. Superman’s Zeichen stand schon immer für Hoffnung, Wahrheit und Gerechtigkeit. Heute steht es für noch viel mehr. Heute können sich endlich noch mehr Menschen in diesem mächtigen Superhelden wiedererkennen“

Tom Taylor, Autor von Superman

Die Donnergöttin: Jane Foster

Thor, der Gott des Donners, ist einer der bekanntesten Superhelden und erfreut sich, insbesondere durch die Avengers-Filmreihe, großer Beliebtheit. Allerdings ist der Donnergott kein fester Charakter, sondern ein Titel. Er wird durch Thors Hammer Mjölnir verliehen und der Person zuteil, die sich als würdig erweist. Diese erlangt die Fähigkeit den magischen Hammer zu heben und die Kräfte des Donnergottes zu nutzen.

Dass auch Frauen würdig sein können, beweist Dr. Jane Foster. Sie war zunächst die große Liebe Thors, doch als dieser sich als unwürdig erweist und seine Kräfte verliert, wird sie selbst zur Heldin der Geschichte. Sie hebt den Hammer und ist damit die Donnergöttin. Die bisher nur in den Comics thematisierte Geschichte soll wohl nun auch im nächsten Film der Thor-Reihe behandelt werden.

Natalie Portman als Thor
Natalie Portman spielt Jane Foster in der Thor-Filmreihe © John Steven Fernandez

Die erste Avenger: Captain Carter

What if… ? ist der Name einer Marvel-Reihe, in der alternative Geschichten erzählt werden. Sie beinhaltet Alternativen zu vielen bekannten Situationen und Szenarien der Comicwelten. So können beliebte Randcharaktere in den Vordergrund gerückt oder ganz neue Geschichten entwickelt werden. Ausschlaggebend für die Änderungen sind oft nur kleinste Entscheidungen, die die Geschichten in eine völlig andere Richtung lenken. So auch im Fall von Captain Carter.

Peggy Carter ist eine Agentin, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite von Steve Rogers kämpfte, der durch das Super-Soldaten-Serum zu Captain America wurde. Später wurde Peggy Carter zu seiner Geliebten. Doch was wäre, wenn ihr das Serum verabreicht worden wäre und nicht Steve Rogers? Diese Geschichte wird im ersten Teil der What if…? – Reihe erzählt. In diesem Szenario wird sie durch das Serum nicht nur zu Captain Carter, sondern auch die erste Avenger.

Mächtiger als alle anderen: Captain Marvel

Captain Marvel, Superheld:innen
© Marvel

Die wohl mächtigste Superheldin aller Zeiten ist allerdings Carol Danvers alias Captain Marvel. Sie verfügt über viele Stärken und ist nahezu unverwundbar. Das macht sie mächtiger als all ihre männlichen Kollegen im Marvel-Universum. Den Titel Captain Marvel trägt sie schließlich nicht umsonst.

„Wenn es Sammelkarten der Marvel-Charaktere gäbe und man sich ihr Power-Level ansehen würde, wäre sie außer Reichweite in Vergleich zu allen anderen, die wir bisher in unseren Filmen gesehen haben.“

Kevin Feige, Chef von Marvel, im Interview mit Variety

Queer vor und hinter der Kamera: Batwoman 

Neben Jon Kent ist auch Batwoman offiziell Teil der queeren Community. In der Serie ist die Heldin Kate Kane, wie auch die Produzent:innen, offen homosexuell. Sie muss immer wieder um Respekt und Anerkennung kämpfen. Das hält sie jedoch nicht davon ab, die Stadt Gotham zu beschützen – ob seine Bewohner:innen sie respektieren oder nicht. Batwoman wurde von der non-binären Schauspielerin Ruby Rose verkörpert, bis diese 2019 die Rolle aufgab.

Ruby Rose, Superheld:innen
Ruby Rose © Adweek

Javicia Leslie, Superheld:innen
Javicia Leslie © The Other Side

In Kate Kanes Fußstapfen tritt nun Ryan Wilder, gespielt von Javicia Leslie. Die Schwarze und lesbische junge Frau sieht ihre neue Rolle als Möglichkeit, endlich an Stärke zu gewinnen und kein Opfer mehr zu sein. Sie wird durch ihren Charakter eine ganz neue Batwoman. Doch eines übernimmt sie von Kate Kane: Das Verständnis davon, was es heißt, eine Heldin und ein Vorbild zu sein. 

Der erste Schwarze Held: Black Panther

Lange vor Ryan Wilder als Batwoman war Black Panther der erste Schwarze Superheld. Mit seiner Verfilmung 2018 erhielt der Charakter nochmal neue Aufmerksamkeit und mehr Bedeutung für das Universum der Filmreihen.

Black Panther, Superheld:innen
© Marvel

Dabei schafft es Black Panther Afrika so zu konnotieren, wie es bisher kaum ein Hollywoodfilm tat: positiv. Die Geschichte spielt in Wakanda, einem afrikanischen Staat, der arm und unterentwickelt zu sein scheint. In Wirklichkeit ist er dem Rest der Welt technisch etwa ein Jahrhundert voraus, versteckt dies aber zum Wohle der Allgemeinheit. Auch gesellschaftlich ist Wakanda sehr fortschrittlich. Frauen beispielsweise sind dort stark und mächtig und stehen Männern in nichts nach.

Zusätzlich ist die Repräsentation der BPoc-Community in der Produktion und Besetzung des Films zu nennen. Neben dem Regisseur sind fast alle Schauspieler:innen Schwarz.

Als Spiegel der Gesellschaft

Superheld:innen setzen sich für Gerechtigkeit und die Gesellschaft ein, in der sie leben. Sie sind oft Vorbilder, insbesondere für junge Menschen. Um dieser Rolle gerecht zu werden, ist es wichtig, dass sich auch unsere Vielfalt in ihnen widerspiegelt. Dieser Meinung ist auch Kevin Feige. Auf die Frage, ob die Verlage dazu beitragen, Möglichkeiten für BIPoC, Frauen und andere Gruppen zu schaffen, antwortet er:

„Absolut. Comics waren immer schon fortschrittlich und bildetet schon früh verschiedene Kulturen und Ethnizitäten ab. Dem möchten wir unbedingt treu bleiben. Wenn man Black Panther sieht, wenn man Captain Marvel sieht […] – es ist für uns wirklich wichtig, Diversität zu fördern, sowohl vor als auch hinter der Kamera.“

Beitragsbild: © DC

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Julia Verstraelen

Ich liebe schon immer Worte und Sprache und studiere deswegen Online-Redaktion in Köln. Egal ob in Filmen, Gedichten oder Videospielen – gute Geschichten begeistern mich einfach. Umso besser natürlich, wenn die Geschichten auch noch eine schöne Message haben. Aus diesem Grund schreibe ich jetzt auch für das Good News Magazin: um die wirklich guten Stories erzählen zu können!

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