Gartenarbeit ist nicht nur ein Hobby, sie kann sogar als therapeutisches Werkzeug dienen. Studien zeigen: Wer regelmäßig zu Schaufel und Spaten greift, kann nicht nur Pflanzen wachsen sehen, sondern auch sein Wohlbefinden verbessern.
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Wenn Katharina in ihrem geliebten Garten steht, braucht sie keine Musik, keinen Podcast oder Ablenkung. Gartenarbeit hilft ihr besonders in stressigen Phasen, wenn der Alltag mit kleinem Kind, Arbeit und Haushalt sie mal wieder zu stark beansprucht oder ihre Gedanken endlos kreisen. Hier fühlt sie sich nicht erdrückt von Verpflichtungen und unerledigten Aufgaben, sondern denkt in kleinen Projekten, Schritt für Schritt, Pflänzchen für Pflänzchen.
Ich habe noch nie meditiert, aber so ähnlich, wie ich es in meinem Garten fühle, stelle ich mir das irgendwie vor – so eine Ruhe im Kopf.
Vor knapp einem Jahrzehnt zog Katharina für die Liebe von Nordrhein-Westfalen nach Bayern. Freunde, Familie und ihren Job in einer Tierklinik ließ sie hinter sich und begann ihr neues Leben im ländlichen Oberbayern. Dem Abenteuer wich jedoch schnell der Alltag und auch das Ankommen in ihrer neuen Heimat fiel ihr nicht leicht. Nicht selten kämpfte sie mit Heimweh. Halt fand sie aber stets in ihrer Gartenarbeit. Lavendel, Schmetterlingsflieder und ihr prachtvoll blühender Thymian sind ihre Favoriten. Aber besonders liebt sie es, Raum für weitere kleine Gartenbewohner zu gestalten.
Es macht mich auch besonders glücklich, Lebensraum zu schaffen, für Vögel, Bienen und Schmetterlinge.
Ein Garten kann in den unterschiedlichsten Variationen daherkommen und ebenso vielen Zwecken dienen. Er kann ein Projekt, ein Rückzugsort und ein meditativer Raum sein. All das erfüllt Katharinas Gartenarbeit für sie. Doch nicht nur Katharina, sondern auch eine Vielzahl weiterer Menschen, die sich regelmäßig als Hobbygärtner:innen betätigen, in Gemeinschaftsgärten aktiv sind oder ihre Balkone in grüne Oasen verwandeln, erleben beim Jäten, Umgraben und Pflanzen positive Auswirkungen auf die Stimmung.
Diese positiven Effekte der Gartenarbeit auf die menschliche Psyche sind inzwischen auch klinisch belegt. In den letzten Jahrzehnten hat sich daraus ein therapeutischer Ansatz entwickelt; in mehreren Kliniken in Deutschland und international wird Gartentherapie heute als Maßnahme im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung angeboten. Zwar ist das Buddeln, Jäten, Umgraben und Pflanzen allein sicher kein Allheilmittel für psychische Erkrankungen – aber in Kombination mit etablierten Therapieverfahren ein neuer, naturverbundener Ansatz mit vielen positiven Effekten und Potenzialen.
Ein kurzer Blick in die Geschichte der Gartentherapie
Dass Gartenarbeit der Seele guttut, ist keineswegs ein Geheimnis. Die Erkenntnis über die therapeutische Wirkung vom Umgang mit Pflanzen und Gartenbau reicht bereits mehrere Jahrhunderte zurück. Schon früh wurden Gärten als Orte der Erholung und Heilung genutzt. Ob alte persische Gärten, die alle Sinne ansprechen sollten, Klostergärten, die als Aufenthaltsorte für Kranke genutzt wurden oder Gartenarbeit als Ablenkung für Patient:innen in Krankenhäusern – der Garten als unterstützende Umgebung zur Heilung von Krankheiten ist keineswegs ein neues Konzept.
Erste systematische Forschung auf dem Gebiet begann aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts, als nach dem Zweiten Weltkrieg Gartenarbeit gezielt für die Rehabilitation von Veteranen in den USA eingesetzt wurde. Die Arbeit in den Krankenhausgärten führte zu einer sichtbaren Verbesserung ihrer körperlichen wie mentalen Zustände. Daraufhin folgten in den 70ern erste formale Ausbildungsprogramme in Gartentherapie.
Zwischen Hobby und Therapieform: Was ist Gartentherapie?
Die Gartentherapie ist ein therapeutischer Ansatz, der in den letzten Jahren, gemeinsam mit anderen naturbasierten Therapieansätzen, an Zuspruch gewonnen hat. So sagt Andreas Niepel, Präsident der Internationalen Gesellsc…
Gartenarbeit als Therapie