Seltener mähen, Laub liegen lassen, Katzen sichern: Schon kleine Entscheidungen im Garten können in puncto Artenschutz wirklich etwas bewirken. Ein Erfahrungsbericht aus dem Ruhrgebiet.
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Lange dachte ich, Artenschutz sei etwas für andere. Für Menschen mit großen Grundstücken, für Naturschutzverbände, für Wissenschaftler:innen. Für all jene also, die „wirklich etwas bewirken“. Mein eigener Garten erschien mir dafür zu klein und zu banal. Heute weiß ich: Genau dort fängt es an.
Als wir vor drei Jahren in ein Mietshaus im Ruhrgebiet zogen, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht nur einen Kaktus zu pflegen, sondern einen ganzen Garten zu bewirtschaften. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich eher einen braunen Daumen. Seitdem habe ich viele Fehler gemacht, aber auch viel gelernt. Jedes Jahr weiß ich besser, was ich im Kleinen alles für den Erhalt der diversen Arten tun kann, die meinen Garten bevölkern.
Warum ich seltener mähe
Aus Unwissenheit (und auch aus Trotz gegenüber den zahlreichen Millimeterrasen in der Nachbarschaft) kaufte ich mir am Anfang keinen Rasenmäher. Zunächst verwendete ich eine Sense, dann einen manuellen Handrasenmäher. Erst nach einem Jahr, als der Frust über den körperlichen Einsatz zu groß wurde, kaufte ich mir einen gebrauchten Rasenmäher. Was ich trotz dieser technischen Errungenschaft nicht tue, ist Dauermähen. So wie es alle meine Nachbarn mit ihren täglich laufenden Mährobotern machen. Denn seltener zu mähen löst einen positiven Dominoeffekt aus: Metaanalysen zeigen, dass Wildbienen, Schmetterlinge, Wanzen und andere Gliederfüßer in ihrer Individuenzahl und Artenvielfalt zunehmen, wenn Wiesen nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Wildpflanzen können blühen und aussamen, wodurch sich die Pflanzenvielfalt erhöht und ein ganzjähriger Blütenkalender für Bestäuber entsteht. Für Vögel, Fledermäuse und andere Tiere wiederum bedeutet mehr Insektenbiomasse schlicht mehr Nahrung. Seltener gemähte Wiesen tragen somit zur Stabilisierung geschwächter Insektenbestände bei und stützen ganze Nahrungsketten.
Mittlerweile habe ich aber auch gelernt, dass es nicht falsch ist, wenn ich doch mal mähe. Wie überall im Leben ist die Balance wichtig, denn gar nicht zu mähen kann auch Nachteile haben. Hochwachsendes Gras und dichter Bewuchs schaffen feuchte, schattige Mikrohabitate, die Zecken begünstigen. Darüber hinaus können sich blütenarme Dominanzarten wie Efeu, Farne oder blütenlose Stauden ausbreiten und der positive Effekt kann wieder verloren gehen. Die Lösung ist auch hier einfach: Selbst wenn man mäht, sollte man immer einen Teil der Fläche stehen lassen. Der positive Nebeneffekt: Auf einer Wiese, egal ob ein ganzer Garten oder nur ein Teil – kann man unzählige Kräuter und essbare Pflanzen finden. Bei mir sind es unter anderem Bärlauch, Oregano, Gänseblümchen, Brennnesseln und sogar die Heilpflanze Johanniskraut.
Artenschutz beginnt vor der Haustür