Wahrscheinlich hatten die meisten schon einmal die ein oder andere Begegnung mit unerwünschtem Wuchs in Gärten. Doch die im Volksmund “Unkräuter” genannten Pflanzen haben nicht nur ungeahnte Fähigkeiten, sondern sind auch wichtig für Mensch, Tier und Umwelt.
Diesen Artikel aus unserem Printmagazin „Alles im grünen Bereich“ und weitere Vorteile gibt’s im GNM+ Abo. Unsere ePaper hier lesen.
Artikel anhören; 11:37 Minuten (für Mitglieder)
Ob für landwirtschaftliche Betriebe oder den Hobbygarten, manche Pflanzen fühlen sich so wohl zwischen den Kulturpflanzen, dass sie schnell die Überhand nehmen können – so wurde der Name “Unkraut” geboren. Doch im Löwenzahn oder in der Brennessel steckt weit mehr, als das abwertende Wort zu verstehen gibt. Wildkräuter sind sowohl gesundheitlich als auch biologisch wichtig und zeigen eines ganz besonders: “Unkraut” hat viele positive Eigenschaften und sollte auf gar keinen Fall einfach “weg”.
Gibt es das “Unkraut” überhaupt?
Eine spezifische Definition des Begriffs “Unkraut” ist schwierig. Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) beschreibt Unkraut als “alle wildwachsenden Pflanzen, die die Kulturpflanzen in ihrem Wachstum hindern und schädigen”. Andere bezeichnen Unkraut schlicht als eine für den Menschen nicht verwertbare Pflanze. Doch viele der Pflanzen, die wir im Volksmund als “Unkraut” bezeichnen, sind sowohl für den Menschen verwertbar als auch wichtig für Flora und Fauna. Manche Unkrautarten sind sogar selten und gefährdet, wie der Bauernsenf.
Eine genaue Einschätzung, was Unkraut ist und was nicht, ist daher vorwiegend eine subjektive Sache. Laut Agrarwissenschaftsprofessorin Bärbel Gerowitt sei das, was das Unkraut ausmache, nicht irgendeine besondere Eigenschaft, sondern einfach, dass wir Menschen es so nennen. Es sind Pflanzen, die laut Menschen am “falschen” Ort wachsen. Somit kann eigentlich jede Pflanze zum Unkraut werden.
Geschichte des Unkrauts
Bevor Kulturpflanzen überhaupt in großem Stil angebaut wurden, waren die wilden und pflegeleichten Pflanzen, die heute Unkräuter genannt werden, ein fester und wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung. Mit der Kultivierung wurde auch eine Einteilung in “gute”, für den Menschen verwertbare Pflanzen und “schlechte”, für den Menschen nicht verwertbare Pflanzen unternommen. Die Pflanzen, die dem ersten Anschein nach nicht essbar wirkten oder den Kulturpflanzen schaden könnten, wurden als “Unkraut” betitelt.
Doch vor rund 40 Jahren entstand eine Bewegung, die diesen Pflanzen mehr Wertschätzung entgegenbringen wollte. Seit den 1980er Jahren wird Unkraut im biologischen Sinne deshalb nur noch als Wildkraut bezeichnet. Den Plural Wildkräuter kennen viele von uns wahrscheinlich von kleinen Blümchen auf dem Salatteller, doch auch Löwenzahn, Spitzwegerich, Giersch, Rucola (hierzulande auch Rauke genannt) oder das Gänseblümchen gehören dazu. Einige davon zählen gleichzeitig zu den unbeliebtesten…
Unkraut und seine geheimen Fähigkeiten