Für den Vertriebler Andreas Forster wurde eine einfache Wette zum Herzensprojekt: Er lief 250 Kilometer von Warendorf bei Münster nach Bonn-Bad Godesberg, um auf die Bedeutung von Hospizarbeit aufmerksam zu machen. Im Gespräch mit dem Good News Magazin erzählt er, wie sehr ihn diese Erfahrung berührt hat und warum sie für ihn längst nicht zu Ende ist.
„Hospizarbeit hat viel weniger mit dem Tod zu tun als mit dem Leben.“
Diese Erkenntnis steht heute im Zentrum von Andreas Forsters Engagement. Dass er sie so klar formulieren kann, hat viel mit seiner Kollegin Jutta zu tun, die ihn über Jahre begleitet hat. Jutta erinnert Forster immer wieder an eine Wette, die er einst abgeschlossen hatte. Nach dem Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ bleibt sie dran, hartnäckig, aber mit einem Augenzwinkern. Für Forster ist klar: Wettschulden sind Ehrenschulden.
Wir schreiben das Jahr 2017, die Wette selbst liegt bereits einige Jahre zurück. Zur Zeit des Brexit entsteht unter Kolleg:innen eine dieser verrückten Ideen, für die Forster bereits im Team bekannt ist. Diesmal wettet er, dass er zu Fuß 250 Kilometer von Warendorf nach Bad Godesberg laufen würde, sollte das Vereinigte Königreich tatsächlich aus der EU austreten, laut auf Serbokroatisch alte deutsche Volksweisen singend – wie es zu der Idee kam, weiß er selbst nicht mehr. Der Gegenwetteinsatz wäre gewesen, dass eine ehemalige Kollegin eine Woche lang Zeitungen mit einer Rikscha ausfährt und dabei die Transrapid-Rede von Edmund Stoiber rezitiert. „Das sind einfach verrückte Ideen“, sagt Forster rückblickend.
Mehr als das bloße Erfüllen einer Wettschuld
Relativ schnell wird ihm jedoch klar: Wenn er diese Wette wirklich einlöst, soll sie mehr sein als das bloße Erfüllen einer Wettschuld. Er möchte nicht einfach loslaufen, nur um anzukommen, sondern etwas für den guten Zweck bewegen. Schon Jahre, bevor der Lauf tatsächlich stattfindet, setzt er sich mit einem möglichen Beweggrund auseinander und stößt dabei auf das Hospiz „Haus Hannah“ in Emsdetten bei Münster. Besonders passend findet er das, da er selbst in dieser Stadt arbeitet. Für jeden Kilometer, den er laufen würde, versprach er, einen Euro zu sammeln, insgesamt 250.000 Euro.
Die Wette bleibt über Jahre immer wieder Thema, auch wenn es zunächst nicht zur Umsetzung kommt. Doch für Forster ist klar: Eines Tages wird er diese Wette umsetzen. Ende 2024 dann der Schock, der alles verändert: Jutta hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie zieht in das Hospiz „Haus Hannah“ ein – ausgerechnet. Der Wetteinsatz bekommt eine persönliche Tiefe, mit der sie nie gerechnet hätten.
Forster besucht Jutta im Hospiz und erlebt die Arbeit dort aus nächster Nähe. „Wenn man einen todkranken Menschen besucht, erwartet man zuerst, dass die Krankheit das Treffen dominiert“, sagt er. Die Realität sieht anders aus. „Jutta war eigentlich total fröhlich, glücklich und zufrieden, trotz all der Sorgen, die sie sicherlich hatte.“ Diese Erfahrung macht ihm deutlich, wie wichtig Hospizarbeit für die Gesellschaft ist.
Er erlebt Gespräche, Nähe und Alltag. „Viele denken ja wirklich, das ist wie ein Krankenhaus, wo die Leute dahinvegetieren“, sagt er. „Aber nein. Sie leben dort noch einmal richtig. Angehörige können rund um die Uhr kommen. Es gibt eine totale Unterstützung, und das wissen viele gar nicht.“
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