Öffentliche Orte brauchen SUVs ( … social urban values!)

CITY DECKS® verändert unser Zusammenleben

von | 5. Juli, 2018

Aus Grau mach Grün! Muss eine Veränderung im öffentlichen Raum immer schleppend vorangehen und viele Steuergelder verschlingen? Nein, wenn man das junge Start-up CITY DECKS®  fragt. Sie verändern mit einem modularen System unsere Städte und Quartiere – für ein lebenswertes und gesundes Zusammenleben

„Wo können wir uns treffen?”, eigentlich eine einfache Frage, die mir meine Freundin stellt. In meinem Kopf rattert es. Die öffentlichen Orte, die zu einem Beisammensitzen einladen, ohne dass wir Essen und Trinken bestellen müssen, sind rar. Hier, in meiner Heimat Nairobi, wahrscheinlich sogar noch rarer gesät als in Deutschland. Doch auch dort geht Mensch manchmal mehrere hundert Meter, bis endlich eine (hoffentlich noch freie) Bank auftaucht.

Die vermeintlich einfache Frage „Wo können wir uns treffen?”, beinhaltet also immer eine noch viel größere: „Wie wollen wir eigentlich zusammenleben?” Der Beantwortung dieser Frage, oder besser gesagt, der Veränderung des Status Quo, hat sich ein junges Unternehmen aus Deutschland angenommen. CITY DECKS® bietet mit modularen Parklets eine flexible Lösung, öffentliche Räume lebenswerter zu gestalten.

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Von der Parkbank zum Parklet

Park-was? Parklets sind modulare, einfach zu handhabende Systeme, die städtische Räume aufwerten und flexibler gestalten. Ein Parklet ist ein kleiner öffentlicher Raum, der typischerweise auf einer oder mehreren Parkplatzflächen am Straßenrand entsteht. Diese Mini-Parks bieten eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten und werden oft als Erweiterung des Gehwegs genutzt. Die Parklets von CITY DECKS® können Sitzgelegenheiten, Grünflächen, Fahrradständer, Fahrradreparatur-Säulen oder auch Kunstinstallationen enthalten. Sie sollen zur Belebung und Verschönerung des städtischen Raums beitragen – vor allem aber mehr Raum für Menschen bringen. CITY DECKS® setzt SUVs in öffentlichen Räumen. Das steht hier allerdings für Social Urban Values! (dts: Soziale Urbane Werte)

Von 0 auf 170 (Kund:innen)

Wulf Kramer und Robin Woll haben beide Architektur studiert. Danach arbeiteten sie selbstständig. Kramer schloss berufsbegleitend noch ein Studium über soziale Innovationen ab. „Uns unterscheidet von anderen Unternehmen unser Antrieb. Wir kommen nicht aus dem Handwerk, wir kommen aus der Architektur und Stadtentwicklung. Unsere Mission ist es, Antworten auf diese Fragen zu finden: Wie geht es nachbarschaftlicher? Wie geht’s lebensfreundlicher?”

Die Gründung von CITY DECKS® war im Jahr 2020, was war noch zu dieser Zeit? Ja klar, die Anfänge der Corona-Pandemie. Es war also nicht einfach. „Städte waren unsere Hauptzielgruppe, und plötzlich war alles stillgelegt“, erinnert sich Kramer. Trotzdem setzte das Team alles auf eine Karte, investierte eigenes Kapital und nahm einen Kredit auf. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Ende 2020 kam der erste große Auftrag, und 2021 explodierte die Nachfrage regelrecht. „Von April bis August liefen die Telefone heiß“, berichtet Kramer.

„Wir brauchen schnell lebenswerte öffentliche Räume, hieß es.“ Eines der ersten und erfolgreichsten Projekte war die Zusammenarbeit mit dem “Zukunftsnetz Mobilität” in Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, Dörfer und Kleinstädte zu unterstützen, indem der Verkehrsverbund Module kaufte und diese kostenfrei für Verkehrsversuche temporärer Möbel bereitstellte. Dieser Ansatz hat sich bewährt, und der Kunde hat bereits mehrfach nachbestellt. Auch Baden-Württemberg und Hessen ahmten das Projekt mit großem Erfolg nach.

Die Gründung von CITY DECKS® war im Jahr 2020, was war noch zu dieser Zeit? Ja klar, die Anfänge der Corona-Pandemie. Es war also nicht einfach. „Städte waren unsere Hauptzielgruppe, und plötzlich war alles stillgelegt“, erinnert sich Kramer. Trotzdem setzte das Team alles auf eine Karte, investierte eigenes Kapital und nahm einen Kredit auf. Die ersten Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Ende 2020 kam der erste große Auftrag, und 2021 explodierte die Nachfrage regelrecht.

„Von April bis August liefen die Telefone heiß“, berichtet Kramer. „Wir brauchen schnell lebenswerte öffentliche Räume, hieß es.“ Eines der ersten und erfolgreichsten Projekte war die Zusammenarbeit mit dem “Zukunftsnetz Mobilität” in Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, Dörfer und Kleinstädte zu unterstützen, indem der Verkehrsverbund Module kaufte und diese kostenfrei für Verkehrsversuche temporärer Möbel bereitstellte. Dieser Ansatz hat sich bewährt, und der Kunde hat bereits mehrfach nachbestellt. Auch Baden-Württemberg und Hessen ahmten das Projekt mit großem Erfolg nach. Heute, nur wenige Jahre später, ist das Start-up in knapp 200 Städten vertreten, beschäftigt 20 Mitarbeiter:innen und hat 2023 einen Umsatz von mehr als 3 Millionen Euro erzielt. Ein Prozent dieses Umsatzes spendet das Unternehmen an gemeinnützige Zwecke.

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Alle so: Wir wollen mehr Lebensqualität! 

Der Wunsch nach einem grüneren, sozialeren oder einfach “schöneren” öffentlichen Raum, ist omnipräsent. „Es gab beispielsweise vom Land Baden-Württemberg eine Umfrage, ob man öffentliche Orte lebenswerter gestalten sollte. Über 80 Prozent sagten dabei, ‘ja das wäre super”, erzählt Wulf Kramer, Mitgründer von CITY DECKS®. „Aber wenn dann vor der eigenen Haustür plötzlich etwas passiert, dann ist das oft erstmal nicht willkommen. Mittlerweile bin ich jedoch fest davon überzeugt: Wir sind Gewohnheitstiere, das heißt wir brauchen einfach Zeit, um uns umzugewöhnen.”

Durch die Natur der Parklets, flexibel, schnell auf- und auch wieder abbaubar zu sein, können Veränderungen “vor der Haustür” also erst einmal zwei oder drei Monate erlebt werden. So können die Menschen sich umgewöhnen  und vor allem sehen, was passiert: Die Straßen werden lebendiger, attraktiver und sicherer. Menschen treffen sich und kommen miteinander ins Gespräch, das soziale Miteinander wird gestärkt. „Wir wollen Orte schaffen, die für alle zugänglich sind und Barrieren abbauen“, sagt Kramer.

Dabei geht es oft um Notwendigkeit – etwa Sitzbänke für ältere Menschen, barrierefreie Wege für Eltern mit Kinderwagen, Reparaturmöglichkeiten für das Fahrrad. Vor allem sollen Begegnungsräume geschaffen werden für Menschen, die sonst vielleicht gar nicht erst aufeinandertreffen würden: „Wir brauchen mehr Erlebnisse im öffentlichen Raum, die verschiedene Lebensrealitäten zusammenbringen.“

Kooperation statt Konkurrenz

„Moment mal”, wird da vielleicht der ein oder andere Gastronom aufhorchen, „wenn alle sich auf Parklets treffen anstatt auf meiner Terrasse, was passiert dann mit meinem Geschäft?”. Doch diese Sorge sei unbegründet, erklärt Wulf Kramer: Es ist ein win-win Prinzip. Durch die Schaffung angenehmer Aufenthaltsorte können Parklets die Kundenfrequenz und Verweildauer in der Nähe liegender Geschäfte erhöhen.

„Das schön gestaltete Schaufenster oder die verzierte Arkade gibt es ja auch. Es gibt schon einige Orte ohne Konsumzwang. Sicher fühlen sich manche vielleicht durch unser Vorhaben provoziert. Dann sage ich: Schau mal, ich kann Räume genießen, die mich nicht zwingen zu konsumieren, es wertet die Stadt insgesamt auf, es schafft Atmosphäre. Und genauso gehört eine Sitzbank oder ein Blumenbeet dazu. Ich sehe das gar nicht als ‘entweder – oder’, das bereichert sich alles gegenseitig.”

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City Decks, Livable Cities GmbH, Fotograf: Marius Heimburger, Herrenberg, November 2023

Wo ist denn der Unterschied zur guten alten Parkbank?

Die modulare Bauweise der Parklets bietet den Vorteil, dass sie nicht im Boden verankert werden müssen, sie sind damit leicht auf- und abzubauen. Und wenn die betrunkene Gruppe Halbstarker am Samstagabend vorbeikommt? „Vandalismussicher und flexibel – das war unser Ziel“, betont Kramer. Ob für Märkte, Weinfeste oder Stadtfeste, die Parklets lassen sich einfach mit einem Hubwagen bewegen und anpassen. Das Unternehmen legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und regionale Anfertigung. „Metall aus der Region, heimisches zertifiziertes Holz oder 3D-gedruckter zementfreier Beton gehören zu unseren Materialien“, so Kramer. Zudem arbeitet das Start-up mit recycelten Kunststoffen und entwickelt seine Produkte kontinuierlich weiter, um sie noch zirkulärer zu gestalten.

Grün Auftanken

Nun steht das Parklet, es ist bunt bepflanzt und plötzlich stehen wir vor folgendem Problem: “Die Städte kommen mit dem Gießen nicht hinterher”, sagt Wulf Kramer. Dieser Herausforderung widmet sich die neue Produktserie “Aufgetankt”. Die Parklets dieser Serie beinhalten einen Tank, der einmalig aufgefüllt wird. Über eine solarbetriebene Pumpe werden die Pflanzen anschließend bewässert. Was die Parklets auch noch ausmacht: Sie schaffen eine kleine Retentionsfläche. Fast alle Modelle — vom Touareg bis zum Cayenne und Defender – sind zum Teil bepflanzt. Dadurch bieten sie ganz nebenbei eine Möglichkeit der Wasserspeicherung. Zirkularität ist auch hier das Stichwort. 

… Also wo treffen wir uns denn jetzt? Ich hoffe bei dem Parklet um die Ecke.

Beitragsbild: © AVMediagroupGmbH
Bilder im Artikel: © CITYDECKS

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Lucia Oiro

Lucia Oiro (ehem. Lehmann) liebt die Vielfalt. Als Autorin, Redakteurin und Performancekünsterlin realisiert sie Projekte, die dieser Liebe entsprechen. Einer ihrer Träume ist, die Welt durch Positive Nachrichten mitzugestalten und all die inspirierenden Menschen und Initiativen ans Licht zu bringen. Umso glücklicher ist sie, diese Vision nun mit dem Team vom Good News Magazin zu realisieren! Ein Team, das wirklich Berge bewegt und bei dem sie sehr stolz ist, ein Teil davon zu sein.

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